Unsere Sommertipps ☼

Wir haben uns aus den verschiedensten Medienarten unsere Favoriten für den Sommer rausgepickt, um sie euch vorzustellen!

„1793“ von Niklas Natt och Dag

Ein historischer Krimi, der mich neugierig gemacht hat, weil ich mich besonders für das 18. Jahrhundert interessiere. Arne Dahl, der schwedische Krimiautor, nennt 1793 „Ein Meisterwerk. Ein wilder und ungewöhnlicher Mix, der das ganze Krimigenre revolutioniert“. Das Buch musste ich lesen (ha, ha, die Werbestrategie ist aufgegangen). Das Buch spielt im Jahr 1793 in Stockholm. Zu Beginn des Buches wird eine verstümmelte Leiche gefunden. Die Schilderungen sowohl der Leiche, als auch des Zeitkolorits, sind sehr plastisch. Man meint den Geruch der Verwesung in der Nase zu spüren. Zweimal war ich kurz davor das Buch wegzulegen, nichts für schwache Nerven. Aber ich habe durchgehalten. Die historischen Umstände (Korruption, Armut, Ständegesellschaft, Amtsmissbrauch und -willkür) der ausgehenden Feudalzeit in Schweden werden gut recherchiert präsentiert. Sosehr Stockholm heute gehypt wird, damals möchte von uns Niemand dort gelebt haben. Der Krimi spielt in vier Zeitebenen: Herbst, Sommer, Frühling und Winter 1793. Das ist sehr ungewöhnlich, weil die Geschichte vom Ende her erzählt wird und die Lesenden immer schon Wissen von „später“ haben, was ihnen beim Lesen der früher spielenden Abschnitte zugute kommt. Die beiden Ermittler sind vom Leben gezeichnet und gerade deshalb haben sie nichts zu verlieren: der Jurist Cecil Winge, im Endstadium einer Tuberkulose-Erkrankung, und Jean Michael Cardell, einarmiger Ex-Soldat und Gelegenheitssäufer. Gemeinsam tragen sie Stück für Stück dieses Aufklärungspuzzles zusammen.
Auch das andere Personal des Buches, z.B. das Opfer und seine Freundin, der Mörder oder der Auftraggeber, wird detailliert in seinem Schicksal geschildert und es tut teilweise fast weh, sie in ihr Verderben gleiten zu sehen. Sogar den Mörder kann man am Ende verstehen…
Katrin Hufschmidt

„Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen“ von Ute Hagedorn

Alle guten Dinge fangen mit S an. Sommer, Sonne…Schmerztabletten? Wer im Sommer regelmäßig schon mit Druck auf den Augen und Stechen in den Schläfen aufwacht, weiß, wovon ich schreibe: Wetterfühligkeit. Die große Hitze kommt und geht, tagsüber brennt die Sonne und am Abend ziehen Gewitter auf. Für mich ist dann oft klar: hallihallo Migräne und tschüss sommerliches Wohlgefühl. Lesen oder Filme gucken ist in etwa so angenehm, wie ein Presslufthammer auf dem Schädel. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, wenn man täglich tausende spannender Medien vor der Nase hat. Meine Lösung: die Digithek, das digitale Angebot der Mediothek bietet (neben unterhaltenden Hörbüchern) zahlreiche Audiodateien im Bereich Muskelentspannung, Meditation, autogenes Training. Mit Handy und Kopfhörern ausgestattet lege ich mich entweder in den schattigen Garten oder ins dunkle Kämmerlein. Erfahrungsgemäß helfen mir Muskelentspannungstechniken am besten. Das Hörbuch „Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen“ von Ute Hagedorn zum Beispiel. 30 Minuten werde ich angeleitet, meine Muskelpartien in einer bestimmten Reihenfolge zunächst anzuspannen und danach zu entspannen. Die ruhige Stimme der Sprecherin und meditative Melodien im Hintergrund unterstützen den Entspannungseffekt. Langzeitziel der Methode soll sein, Entspannung (in Kopf und Nacken) herbeizuführen, wann immer ich möchte. Wer gut auf Audiomeditation anspringt, sollte sich sicherheitshalber einen Wecker stellen – oder nutzt die Dateien einfach als Einschlafhilfe, sie bekämpfen nämlich außerdem hervorragend gedankliche Rastlosigkeit und innere Unruhe. Frohes Testen allen Leidensgenoss*innen!
Janina Hellmann

„Selection“ von Kiera Cass

Romantik zwischen Krone und Krieg.
Ich möchte Ihnen heute eine meiner absoluten Lieblings-Buchreihen vorstellen.
Die Reihe heißt „Selection“ und wurde von Kiera Cass geschrieben. In der Geschichte spielen Liebe, Freundschaft, Selbstwahrnehmung und Selbstbestimmtheit eine sehr große Rolle. Aber auch die Spaltung der Gesellschaft in arme und reiche Menschen wird in einfacher Form thematisiert.
Die absolut sympathische, bisweilen jedoch auch etwas unentschlossene Hauptfigur heißt America und lebt in ärmlichen Verhältnissen. Ihre Familie hält sich mit allerlei Jobs so gerade über Wasser, während andere Bürger des Königreichs Illeá ihren Luxus auf Kosten der Armen genießen.
America ist ziemlich verliebt in Aspen, den sie schon lange kennt, und kann sich eine Zukunft mit ihm vorstellen, wenn auch in Armut.
Als dann das Casting beginnt, bei dem aus 35 Mädchen eine Frau für den jungen Prinzen Maxon ausgewählt werden soll, schaut das gesamte Volk gebannt zu, America jedoch nicht. Sie muss stattdessen als Kandidatin teilnehmen.  
Ihr Plan ist, sich als Freundin mit Maxon zu verbünden, um eine Weile im Casting zu bleiben. Heiraten möchte sie Prinz Max auf keinen Fall, da sie Aspen liebt. Doch so einfach ist es nicht immer. Das merkt America auch schnell, als ihr der Prinz langsam ans Herz wächst, sodass sie hin und hergerissen ist. Doch auch der Prinz muss eine Wahl treffen. Zu allem Überfluss kommen dann noch politische Unruhen, die Fernsehübertragung des Castings und einige andere Hindernisse hinzu.
Trotz der Assoziation mit gewissen realen Fernsehshows, hat mich die Reihe außerordentlich gefesselt und manchmal zu Tränen gerührt, was bei weitem nicht jedes Buch schafft. Eine angenehme Charakterentwicklung und spannende Hintergründe machen die Reihe absolut empfehlenswert.
Annika Siever

„Marthas Reise“ von Christina Laube

Ein ganz besonderes Buch über eine Reise ist das Bilderbuch von Christina Laube und ein besonders schön gestaltetes.
Im Mittelpunkt steht das Mädchen Martha, das von seiner Mutter zur Bahn begleitet wird. Martha steigt in den Zug und wir schauen ihr und ihren Gedanken zu. Martha sieht andere Menschen und bleibt doch ganz bei sich. Sie stellt sich Fragen und hat phantasievolle Ideen.  Fragen wie: welche Farben hat das Leben? Wo sind unsere Wurzeln? Warum bekommen Musiker Applaus, Bauarbeiter aber nicht?
Dann kommt sie an, läuft freudig ihrem Vater in die Arme und ist wieder ganz da im Hier und Jetzt.
Neben der an Gedanken reichen Geschichte begeistert vor allem die Gestaltung des Buches. Schöne Illustrationen und faszinierende Lasercuts von Mehrdad Zaeri bereichern dieses Bilderbuch und machen jedes Umblättern der Zeiten zu einer Entdeckung.
Ein philosophisch-poetisches Bilderbuch für Groß und Klein,  das einen mit auf die Reise nimmt und ein wenig die Zeit anhält.
Marie-Theres Esser-Ehmke

„Das Plastiksparbuch“

Sommer – Urlaub – Freizeit – Genießen
… und vielleicht etwas die Welt retten?
Mehr und mehr auf Plastik in unserem Alltag zu verzichten :  Wie kann das gehen?
Inzwischen gibt es einige Ratgeber mit praktischen und leb-baren Tipps, die ohne Riesenaufwand umsetzbar sind.
Warum also nicht mal einen Urlaubslektüre-Tipp nutzen, um anzuregen, den eigenen Alltag plastikfreier zu retten.
Mein Empfehlung:
Das Plastiksparbuch : 111 nachhaltige Alternativen und Ideen, mit denen wir der Plastikflut entkommen.
Dieses Paperback des Internet-Ideenportals smarticular liefert informative und gut verständliche Hintergrundinformationen zu Fragen wie: was ist Plastik? Wo liegt das Problem? Wann ist Plastik sinnvoll?
Es folgen – geordnet nach Rubriken wie Wocheneinkauf, Küche, Ernährung, Körperpflege – praktische Tipps, wie man etwas selbst plastikfrei herstellen, länger gebrauchen oder vielleicht auch einmal leihen kann.
Einfach mal blättern und vielleicht bei der einen oder anderen Idee hängen bleiben und denken: das probiere ich jetzt aus!
Wie sagte Erich Kästner: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
Marie-Theres Esser-Ehmke

„Mittagsstunde“ von Dörte Hansen

Das ist die Geschichte eines Dorfes im hohen Norden Deutschlands, die Geschichte von Ingwer Feddersen, der dort geboren und aufgewachsen ist, dem Dorf aber für die Großstadt den Rücken gekehrt hat und der dann für kurze Zeit zurückkehrt. Es ist auch die Geschichte der Veränderungen, die dieses Dorf erlebt.
Es gibt dort einen Zusammenhalt zwischen den Einheimischen, die sich gegen alles Fremde abschotten. Man steht eisern zusammen und akzeptiert Dinge, die eigentlich unannehmbar sind, so lange sie „einer von uns“ gemacht hat. Nicht, dass man darüber hinwegsähe. Man nennt es durchaus beim Namen, manchmal  mit Schadenfreude, und auf jeden Fall wird jedes Unglück und Missgeschick gnadenlos mit Spott belegt. Es gibt aber Regeln, und solange man die einhält, ist die Welt sozusagen noch in Ordnung. Dazu gehört die Mittagsstunde, die dem Buch den Titel gab, die Pause am Mittag, wenn die schwer arbeitenden Bauern, die sich schon früh am Morgen um ihr Vieh kümmern müssen, eine kleine Pause einlegen. Das ganze Dorf ruht dann und schläft, und die Kinder, die aus der Schule kommen, haben gelernt, sich so leise zu bewegen, dass sie niemanden stören.
Langsam wird dieser Lebensrhythmus dann doch unterwandert. Ein Bücherbus etwa kommt plötzlich jeden zweiten Donnerstag ins Dorf und weckt mit seiner Sirene die Schläfer auf. Ingwer Feddersen und Gönke, die Tochter des Bäckers, gehen auf die Höhere Schule, hat man davon je gehört. Aber angefangen hatte es schon viel früher, mit den Landvermessern, die den Bauern neue Möglichkeiten eröffneten und Marret, der „halfbackten“, das heißt der geistig behinderten Tochter von Ella und Sönke Feddersen, etwas hinterließen „das nicht mehr weg“ ging. Das war dann Ingwer. Mit fast 50 Jahren kommt der zurück ins  Dorf, um Sönke und Ella, die er „Vadder“ und „Modder“ nennt, da seine Mutter Marret sich um diesen Sohn nie kümmern konnte und wollte. Ingwer hat ein schlechtes Gewissen, weil er Sönke in Stich gelassen hat, weder dessen Land noch den Gasthof übernahm, und stattdessen seinen eigenen Weg gegangen war, weg aus dem Dorf an die Uni in Kiel. Unvorstellbar. Er nimmt ein Sabbatical, ein freies Jahr, um den uralten Sönke und die inzwischen demente Ella zu pflegen, zahlt sozusagen ein bisschen seiner Schuld zurück, so glaubt er. Und was ist, fragt ihn Sönke dann unverhofft, wenn dein freies Jahr zu Ende ist, und ich bin noch nicht gestorben?
Es ist ein Buch voller Wehmut und Bedauern darüber, dass die Zeiten sich ändern und mit ihr das, was man gekannt und geliebt hat. Ein Bedauern auch über nicht genutzte Chancen. Das Leben läuft nicht so glatt wie man es möchte. Aber es ist auch ein Buch voller Wärme, voller guter Erinnerungen, voller Einsichten. Es zeigt, dass nichts Selbstverständlich ist. Die Geborgenheit des Dorfes ist einerseits unglaublich stark und andererseits eine Last. Und sie ist brüchig. Nichts bleibt wie es ist. Wichtig, dass man gegen alle Prägung, der man nicht entfliehen kann, mit seinem eigenen Weg einverstanden ist. Ingwer wird das spät in seinem Leben wohl doch noch gelingen.
Brigitte Tietzel

„In der ersten Reihe sieht man Meer“ von Martin Kobr und Volker Klüpfel, gelesen von Bastian Pastewka

Erinnern Sie sich noch an die Urlaubsreisen Ihrer Kindheit? 15 Stunden Autofahrt nach Italien, morgens um fünf musste das Auto gepackt sein, man saß eingepfercht mit seiner Familie auf der Rückbank des bis unters Dach beladenen Familienautos, ohne Klimaanlage, Handy oder Navi, spielte „ich packe meinen Koffer“, im Gepäck Tiroler Nussbaumöl, DM im Portemonnaie, langen Schlangen vor der Passkontrolle, Münztelefonen und der Kopf mancher voller Misstrauen gegenüber allem Landestypischen, sei es Espresso, Pizza oder Einheimische. Bastian Pastewka nimmt uns charmant und unglaublich humorvoll mit auf eine genussvolle (in jeglicher Hinsicht!) Hörreise an die Adria in den 80er Jahren. Alex ist Mitte 40, steht völlig entnervt einen Tag vor der Abreise mit seiner Familie nach Italien und nickt beim im Fotoalbum seiner ersten Italien-Reise vor 30 ein Er erwacht als pickliger 15-jähriger Teenager von damals und findet sich mitten in den Vorbereitungen zu genau dieser Reise mit seinen Eltern, seiner Schwester Nicki und seiner eigentlich schon verstorbenen Oma wieder. Was folgt sind skurrile Situationen, urkomisch, nachdenklich stimmend und keine Sekunde langweilig. Ein kurzweiliger Hörgenuss für die Urlaubsreise als ungekürzte Lesung auf 8 CDs für alle Generationen.
Sabine Simonsmeier

25 km/h

25 km/h sind eine angemessene Geschwindigkeit, um eine „Kontakt-Pause“ von 30 Jahren allmählich zu überwinden:
der wortkarge Georg und der erfolgreiche Businessman Christian treffen sich erst am Grab des Vaters wieder und liefern sich noch auf dem Friedhof eine ordentliche Prügelei. Der Beerdigungstag endet im Elternhaus der beiden Brüder mit viel Alkohol und einer Schnapsidee. Den Plan aus Teenager-Zeiten, mit Mofas auf große Deutschland-Tour zu gehen,  setzen sie noch in der gleichen Nacht um, nachdem sie ihre alte Reiseskizze und die Mofas wiedergefunden haben.
Im schwarzen Anzug und Krawatte brechen sie im tiefsten Südwesten auf zu einer Reise, die an der Ostsee enden soll und so viel mehr wird als eine Fahrt quer durch das Land.
Mit spürbarer Spielfreude toben sich Bjarne Mädel und Lars Eidinger als ungleiche und doch stark verbundene Brüder aus – nicht nur auf der Landstraße sondern vor allem in diversen „Challenges“, die sie sich mit 16 ausgedacht haben: von A wie „Arschbombe“ bis Z wie „Zaziki und den Rest der Karte beim Griechen“.
Sie reisen in ihre Vergangenheiten, was zu einem 200 km Umweg nach Berlin führt, vor allem aber reisen sie zu sich selbst.
Der bis in kleinste Nebenrollen prominent besetzte Film (u.a.: Franka Potente, Sandra Hüller, Wotan Wilke Möhring) verbindet  Road- und Feelgood-Movie, wird nie lächerlich oder peinlich, berührt und unterhält das Publikum -auch mit seinem klug ausgewählten Soundtrack.
Die feine Komödie ist für mich der Sommerfilm 2019.
Evelyn Buchholtz

„Jagged Alliance Rage“

Es gibt Games, die sind Kult. Super Mario oder Tetris sind solche Spiele. Ein wichtiger Teil meiner Jugend ist das rundenbasierte Strategiespiel Jagged Alliance 2. Mit viel schwarzem Humor ging es damals, das Game ist von 1999, im fiktiven Land Arulco gegen eine verrückte Diktatorin. Seitdem versuchen sich immer wieder Spieleentwickler an einer Fortsetzung, und, wenn ich ehrlich bin, richtig geklappt hat das nie. Den aktuellsten Versuch habe ich eben durchgespielt und muss sagen, das Ganze hätte Potenzial gehabt, aber so richtig toll ist es nicht geworden. Jagged Alliance Rage heißt das Spiel und es geht darum, einen Inselstaat zu befreien. Der damalige Assistent der Diktatorin, Elliot, ist mittlerweile Drogenbaron und unterjocht eine ganze Insel. Der Look des Spiels ist in einer Art Comicgrafik und ihr habt auch nur zwei Söldner, zumindest zu Beginn. Witzig dabei ist die Tatsache, dass ihr aus denselben Mädels und Jungs wie damals aussuchen könnt, diese aber natürlich auch älter geworden sind. Viele Features aus der legendären Vorlage sucht man leider im aktuellen Spiel vergebens, so kann man keine Milizen ausbilden, die Söldner nicht aufteilen und, und das ist wirklich ein großes Manko, die Söldner durchleben keine Charakterentwicklung. Auch für die Statistikfans unter Euch gibt es schlechte Nachrichten, es gibt schlicht keine. Aber, ist denn alles schlecht? Nein, ich finde nicht. Als alten Fan der Serie enttäuscht mich die Umsetzung zwar, als jemand, der gern mal ein Taktikspiel zockt, ist es aber nicht schlecht. Im Laufe des Spiels werden die Waffen, die man findet, besser, die Gegener KI auch, das erhöht den Spielspaß. Die Steuerung des Figuren ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, ging mir dann aber locker von der Hand. Ich habe es zusammen mit einem Freund gespielt und wir fühlten uns durch das Spiel durchaus ganz gut unterhalten. Am ehesten kann man es vielleicht mit Commandos oder ähnlichen Games vergleichen. Als Fazit bleibt, das man hier ein nettes Taktikspiel mit wenig Überraschungen hat, welches zum Budgetpreis durchaus gekauft werden kann, mit Jagged Alliance hat es allerdings nur den Namen gemein.
Martin Krame

„SingStar Hottest Hits“ für die PlayStation 2

Ja ja, ich weiß, wir haben 2019 und dieses Spiel ist schon gute zehn Jahre alt. Aber meiner Meinung nach hat es immer noch seinen Reiz.
Eine kurze Erläuterung für diejenigen, denen SingStar kein Begriff ist: Es handelt sich hierbei um ein Karaoke-Spiel, bei dem die Sänger miteinander oder gegeneinander antreten können. Beim Duell werden auch Punkte vergeben, damit man seine Leistung vergleichen kann, aber hauptsächlich geht es natürlich um den Spaß.
Sony hat die verschiedensten Spiel-Varianten mit immer anderen Liedern rausgebracht, unter anderem eben auch die „Hottest Hits“. Klingt schon sehr sommerlich. Die Tracklist beinhaltet unter anderem „Stop and Stare“ von OneRepublic, „Bubbly“ von Colbie Caillat, „Chasing Cars“ von Snow Patrol, und „Thanks for the memories“ von Fall Out Boy.
Obwohl ich einige (Wirklich einige!) verschiedene SingStar-Spiele ausprobiert habe, die auch alle echt viel Spaß gemacht haben, ist mir dieses am liebsten. Das ist natürlich nur meine subjektive Meinung, aber mir gefällt die Zusammenstellung der Lieder einfach besonders gut. Wer möchte, kann sich die Tracklist ja mal im Internet anschauen.
Und noch eine Empfehlung für heiße Sommertage, die man nicht drinnen verbringen möchte: einfach den Fernseher ganz nah an die Tür stellen und draußen singen. Und wenn sich jemand über den Lärm beschwert… nicht persönlich nehmen 😉
Chiara Reski

„Berkeley’s on Fire“ von SWMRS

Die Band SWMRS (gesprochen: Swimmers) aus Kalifornien hat vor kurzem ihr zweites Album rausgebracht. Berkeley’s on Fire ist ein Mix aus 10 rockig-punkigen Songs, die erfrischend anders sind – sowohl im Vergleich zum Rest der Musikszene, als auch auf die Diversität auf dem Album selbst bezogen.
Allein die Range, die die Brüder Cole und Max Becker mit ihrem Gesang abdecken ist toll, aber auch Joey Armstrong (der Sohn von Green-Day-Sänger Billie Joe Armstrong) am Schlagzeug und Sebastian Mueller am Bass, tragen dazu bei, dass die Musik von SWMRS nie langweilig wird.
Generell kann man sagen, dass die Songs, die Cole singt, zum Beispiel der Titeltrack ‚Berkeley’s on Fire‘ oder ‚Hellboy‘, sehr energiegeladen, verzerrt und Riff-lastig sind, während Max‘ Songs, wie ‚Too Much Coffee‘ oder ‚Ikea Date‘, oft einen akustischen Sound und eher ruhigere Sommer-Vibes haben.
Wie bei ihrem Vorgängeralbum Drive North, verdeutlicht die Band auch auf Berkeley’s on Fire unterschwellig ihre Meinung zur momentanen politischen Lage. Auch gesellschaftlich sind die Musiker sehr engagiert, so setzen sie sich zum Beispiel für mehr Sicherheit im Umgang mit Feuerwaffen ein und helfen, Organisationen wie Planned Parenthood oder Aktionen wie das Bay Area Girls Rock Camp zu finanzieren.
Außerdem bewerben und unterstützen sie mit dem Uncool Fest und ihrem Plattenlabel Uncool Records kleinere Bands in ihrer Heimatstadt Oakland.
Chiara Reski

„Mamma Mia! Here we go again“

Meines Wissens gibt es nur sehr wenige Menschen, die mit der Musik von Abba so gar nichts anfangen können.
Ein Grund dafür ist sicherlich der Musical-Film Mamma Mia, der 2008 in die Kinos kam. Die Geschichte der jungen Sophie, die kurz vor ihrer Hochzeit herauszufinden versucht, wer ihr Vater ist, damit sie dieser zum Altar führen kann, und kurzerhand alle drei Kandidaten einlädt, die laut dem Tagebuch ihrer Mutter in Frage kommen, ist aber auch einfach fantastisch.
Kein Wunder also, dass es dazu einen zweiten Teil gibt, auch wenn er erst im letzten Jahr rausgekommen ist. Mamma Mia – Here We Go Again dreht sich ganz um Donna, Sophies Mutter, und ebendiesen Sommer, in dem sie mit Sophie schwanger wurde.
In der sommerlichen Feelgood-Atmosphäre steht der Film seinem Vorgänger in keinster Weise nach, wobei mir persönlich die Songs im ersten Teil besser gefallen haben, aber wahrscheinlich einfach deshalb, weil ich sie vorher schon besser gekannt habe.
Ich hatte zu Beginn ein bisschen Sorge, ob die Schauspieler in der Fortsetzung mithalten können würden, denn ich finde, dass die Latte im ersten Teil schon sehr hoch gelegt wurde (mit sehr bekannten Schauspielern, wie zum Beispiel Meryl Streep und Colin Firth), aber diesbezüglich wurde ich wirklich positiv überrascht. Nicht nur, weil die generelle schauspielerische Leistung toll war, sondern auch weil ich die Charaktere in jung wiedererkannt habe.
Chiara Reski

„Call Me By Your Name“ von André Aciman

Nach der Romanvorlage von André Aciman (der auch eine kleine Rolle in der Verfilmung hat) drehte der italienische Regisseur Luca Guadagnino mit James Ivory (der dafür 2018 den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch erhielt) den Film Call Me By Your Name.
Es geht um den 17-jährigen Italoamerikaner Elio, der den Sommer 1983 mit seinen Eltern in ihrer schönen Landvilla in Norditalien verbringt. Das Buch spielt wahrscheinlich in Ligurien, wobei absichtlich kein genauer Ort genannt wird, während der Film in Crema in der Lombardei gedreht wurde, der Heimatstadt Guadagninos.
Man bemerkt gleich seine besondere Beziehung zu diesem Ort, und auch die Zuschauer zieht der italienische Sommer sofort in seinen Bann. Man möchte fast in den Film eintauchen, den Duft der mediterranen Pinien einatmen, die überreifen Pfirsiche probieren und in den Badesee springen.
Elio genießt den Sommer und verbringt ihn hauptsächlich mit Lesen, Nichtstun und dem Transkribieren von klassischen Musikstücken.
Bis Oliver auftaucht, ein 24-jähriger Amerikaner, der Elios Vater diesen Sommer sechs Wochen lang als Hausgast bei seiner Studie unterstützen soll. Auch wenn er Elio zu Beginn eher noch ein Dorn im Auge ist, entwickelt der 17-jährige schnell Gefühle für ihn.
Die Hauptdarsteller Timothée Chalamet und Armie Hammer spielen die sehnsüchtige Leidenschaft ihrer Charaktere brillant und der Soundtrack – vor allem die eigens für den Film geschriebenen Stücke von Sufjan Stevens – begleiten die Atmosphäre des Films perfekt.
Chiara Reski

„Indigosommer“ von Antje Babendererde

Antje Babendererdes Roman ‚Indigosommer‘ dreht sich um die deutsche Schülerin Smilla, die ein Auslandsjahr bei einer befreundeten Familie in Seattle verbringt.
Dort begleitet sie ihre wenige Jahre älteren Gastgeschwister Alec und Janice, die mit ihren Freunden ins Indianerreservat La Push fahren, um dort den Sommer zu genießen. Oder wie Janice sagt: „Surfen, Sex and Drugs and Rock’n’Roll“.
Von Anfang an ist klar, dass die Gruppe in La Push eher geduldet als willkommen geheißen wird und bereits am Anreisetag haben die Jugendlichen mehr als eine unangenehme Begegnung mit den Quileute-Indianern. Vor allem Conrad, ein junger Quileute, scheint ein Problem ihnen zu haben. Auf Smillas Fragen diesbezüglich antwortet Alec, der im letzten Jahr schon mit zwei Freunden in La Push war, nur ausweichend.
Als Smilla einmal allein mit ihrem Surfbrett ins Wasser geht und von einer gefährlichen Strömung mitgerissen wird, wird sie ausgerechnet von Conrad gerettet und verliebt sich in ihn.
Während sie immer mehr Zeit mit ihm verbringt und sich die Spannungen innerhalb der Gruppe zuspitzen, kommt sie langsam dahinter, was im letzten Sommer geschehen ist…
Babendererde schreibt sehr spannend und authentisch, sodass man wirklich bis zum Ende mitfiebert. Sie hat selbst schon in Indianerreservaten gelebt, weshalb ihre Beschreibung von La Push realistisch ist und sich perfekt in die erst heiter ausgelassene und dann immer bedrückender werdende Stimmung einfügt.
Chiara Reski

„Ruf der Tiefe“ & „Schatten des Dschungels“ von Katja Brandis und Hans-Peter Ziemek

Zugegeben, diese Bücher sind  nicht unbedingt geeignet, wenn man nur nach einer seichten Geschichte sucht, die man entspannt am Strand lesen kann. Vor allem Ruf der Tiefe könnte eher dazu führen, dass man sich nicht mehr ins Wasser traut.
Brandis und Ziemek haben sich in beiden Romanen mit einer sehr realistischen Vision unserer nahen Zukunft beschäftigt (beziehungsweise war es die Zukunft, als die Bücher erschienen sind; Schatten des Dschungels spielt zwar 2025, Ruf der Tiefe aber schon 2018).
Die Romane beschäftigen sich mit aktuell sehr relevanten Themen, wie zum Beispiel der Umweltverschmutzung, der Abholzung der Regenwälder und der Erhaltung der Artenvielfalt. Da das Genre ein bisschen an Science-Fiction kratzt, gibt es natürlich auch die eine oder andere technische Neuerung. Die Autoren haben sich diesbezüglich sehr gut informiert und auch mit wissenschaftlichen Einrichtungen kooperiert, um diese möglichst realistisch zu gestalten.
Die Geschichten sind spannend, öffnen in vielerlei Hinsicht die Augen und bringen einen zum Nachdenken. Vor allem jetzt, in Zeiten, in denen wir alle merken, wie wichtig Umwelt- und Klimaschutz ist, und auch schon junge Leute für politisches Engagement kämpfen (man denke zum Beispiel an Fridays For Future), sind die Themen der Romane höchst relevant und ich kann sie jedem empfehlen, der sich dafür interessiert oder auch einfach nur eine spannende Geschichte lesen möchte.
Chiara Reski

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