Seit rund 5 Jahren pilgern bibliotheksaffine Menschen zum Oodi, der großen Öffentlichen Bibliothek in Finnlands Hauptstadt. Und Ostern 2024 war es soweit: Von Gründonnerstag bis Ostermontag stand der Besuch Helsinkis an – trotz wenig vielversprechender Durchschnittstemperaturen von – 2 bis + 5 Grad Celsius. Aber wie es so ist mit statistischen Zahlen, sie treffen nicht immer zu. Trotz vereisten Hafenbeckens und viel Schneeresten am Straßenrand war die Witterung angenehmer als befürchtet und bot zum Abschied 13 Grad auf – Frühlingsgefühle in der Hauptstadt.
Zu den Bibliotheks-Sehenswürdigkeiten gehört neben dem Oodi die Finnische Nationalbibliothek, deren Treppenhaus spektakulär schön sein soll. Konnten wir leider nicht prüfen, da der Aushang in drei Sprachen verkündete: Zu Ostern leider zu!

Kam uns bekannt vor und verdross uns nur wenig, weil der sich im Fenster spiegelnde Dom nach dem Gottesdienst besichtigt werden konnte. Nach der imposanten Außenansicht enttäuschte die schlichte Innenausstattung etwas, aber die Raumwirkung beeindruckt.

Finnland ist ein Leseland und weist weltweit die meisten Bibliotheksausleihen pro Kopf auf. Da wundert es nicht, wenn die „Akademische Buchhandlung“ an der Esplanade zu finden ist, die neben viel Gastronomie auch finnische Markenprodukte wie Glas von Ittala oder Porzellan von Arabia zu bieten hat.
Die von der finnischen Architektur-Ikone Alvar Aalto entworfene und eingerichtete Buchhandlung lohnt den Abstecher auch wegen des Cafés, wohin es am Samstagmorgen Einheimische und Touristen gleichermaßen zog.

Nach einem kurzen Abstecher in die altehrwürdige Markthalle (hier gibt es z. B. „alles“ vom Rentier) und vorbei an Marktständen mit Souvenirs, heißen Getränken und diversen Speisen ging es dann zum Oodi.


Das 100 Millionen teure Gebäude ist ein Geschenk von Staat und Stadt zur Feier der Unabhängigkeit des noch jungen Landes und liegt prominent zwischen dem sehenswerten Hauptbahnhof auf der einen und dem Parlamentsgebäude auf der anderen Seite. Schon bei der Einfahrt des Flughafenzugs staunt man angesichts des ungewöhnlichen Äusseren, aber das Innere verblüffte, erstaunte und erfreute mich noch viel mehr.

Hinter der imposanten Holz- und Glasfassade findet sich auf drei Ebenen alles, was moderne Bibliotheken auszeichnet: Spieltische, Selbstbedienungsrestaurant und Rezeption dominieren das Erdgeschoss, ganz oben finden sich die Ausleihbestände

und ein Treffpunkt für Familien

und im Geschoss dazwischen wird genäht und geplottet oder Musik gemacht. Auf schrägen Ebenen schlafen erschöpfte Essensauslieferer oder tippen Studierende im Schneidersitz in ihre Laptops. Da es nicht möglich war, hier Fotos ohne erkennbare Menschen zu machen, muss man sich selbst ein Bild machen…
Neben dem Oodi mit seinen insgesamt 10.000 Quadratmetern lohnt sich auch der Besuch der Felsenkirche unbedingt, die mitten in einem Wohngebiet liegt.


Das dem Felsen abgerungene Kircheninnere wird von einem riesigen Kupferdach überspannt, Tageslicht bekommt die Kirche über ein Fensterband, das die Felsenwand mit dem Dachrund verbindet – ein eindrucksvoller Kirchenraum.
Neben der Erfahrung, dass das Finnische kaum Ähnlichkeiten mit irgendeiner „gewohnten“ Sprache hat und inhaltliche Rückschlüsse demzufolge fast unmöglich sind, haben sich zwei Erkenntnisse dauerhaft verankert:
Die Stadt verfügt über eine große Zahl von Jugendstilbauten, die mich wie „Hans-guck-in-die-Luft“ durch das Stadtviertel Eira spazieren ließen und nirgendwo ist der Kaffeekonsum so hoch wie in Finnland.
Ein Ausschnitt aus Robert’s Coffee Jugend mag als Beleg für beide Fakten taugen:

„Kahvipaussi“ ist die einzige finnische Vokabel, die ich mitgenommen habe, aber schon bei der anlass-bezogenen sprachlichen Differenzierung je nach Umstand des Kaffeetrinkens
Aamukahvi (Morgenkaffee)
Päiväkahvi (Tageskaffee)
Iltakahvi (Abendkaffee)
Saunakahvi (Saunakaffee)
ergreift mich wieder die (sprachliche) Ratlosigkeit, denn dass auch der Sauna-Besuch ebenso wie Mittags- oder Abendmenüs von Kaffeekonsum begleitet wird, mutet gewöhnungsbedürftig an.
Ich kann den Besuch Helsinkis sehr empfehlen, vor allem den Menschen, die über Schwedisch-Kenntnisse verfügen, denn als ein Relikt aus der wechselvollen Geschichte Finnlands ist das Schwedische als offizielle Sprache geblieben. Aber auch Englisch funktioniert wunderbar (und hilft beim finnischen TV-Programm ;o).