TietzelsTipp: Mut zur Freiheit von Yeonmi Park

Dies ist der erschütternde Bericht einer jungen Frau über ihre Flucht aus Nordkorea. Yeonmi war 21 Jahre alt, als sie das Buch schrieb, sie war 13, als sie zusammen mit ihrer Mutter den Grenzfluss Jalu überquerte, der Nordkorea von China trennt, um der Hölle ihres bisherigen Lebens zu entfliehen. Sie wog noch 27 Kilo und wollte einfach nur überleben. Die Frauen wussten nicht, was sie auf der anderen Seite in China erwartete. Sie dachten, sie wären dann frei, obwohl sie eine richtige Vorstellung von Freiheit noch gar nicht hatten. Und sie hofften, endlich etwas zu essen zu bekommen.

Dass sie diese Flucht, trotz der nötigen Bestechungen der zahlreichen Grenzposten, nicht bezahlen mussten, hätte ihnen wohl zu denken geben müssen. Aber sie waren nicht darin geschult, Menschen zu misstrauen. Und zahlen mussten sie dann doch, denn die, die ihnen halfen, waren Menschenhändler. In China mit seiner verfehlten Ein-Kind-Politik ist der Verkauf der koreanischen Frauen ein gutes Geschäft.

Die Odyssee von Mutter und Tochter, die den verschiedensten Männern in die Hände fielen, ist unbeschreiblich und treibt einem die Tränen in die Augen. Aber die Beschreibung des Lebens der Familie in Nordkorea vor der Flucht ist ebenso grauenvoll und kaum zu ertragen. Die absolute Indoktrination der Menschen, ihre Einschwörung auf die Verherrlichung der Führerfamilie Kim, denen man gottgleiche Gaben zuordnete, wie etwa die Beeinflussung des Wetters, hielt auch Yeonmi völlig gefangen. So sehr, dass sie, selbst als sie schließlich in Südkorea in Sicherheit war und an der Universität Fakten über Nordkorea hörte, diese nicht ohne weiteres glauben wollte, und es dauerte lange, bis sie begriff, dass die glorreichen Führer der Familie Kim allesamt Verbrecher waren.

Das Yeonmi und ihre Mutter die Strapazen überlebt haben, dass die Schwester Eunmi ebenfalls zweimal fliehen konnte, aus Nordkorea und aus China, und dass sie heute wieder vereint sein können, grenzt an ein Wunder. Das Schicksal des Vaters, der in China verstarb, ist dagegen weniger glücklich verlaufen. Ebenfalls unglaublich und bewundernswert ist, dass Yeonmi, obwohl sie kaum zur Schule gegangen war und man ihr in Südkorea zu verstehen gegeben hatte, dass sie als geflohene Nordkoreanerin den Anforderungen des südkoreanischen Schulsystems nicht gewachsen sein würde, genau das dann doch schaffte. Mit ungeheurem Fleiß und einem sehr starken Willen gelang es ihr, an der Universität angenommen zu werden. Außerdem aber wurde sie schließlich das Sprachrohr für ihre Landsleute. Man lud sie ein, in Südkorea zunächst, später auch in Europa und Amerika, über ihre Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen. Seitdem ist sie für Nordkorea eine Staatsfeindin. Man kann nur hoffen, dass der lange Arm dieses brutalen Regimes niemals bis nach New York reichen wird, wo Yeonmi heute lebt. Donald Trump hat über Kim Jong-Un gesagt: „Er ist ein sehr talentierter Mann, der sein Land außerordentlich liebt“ und: „Er organisiert das Land, und er organisiert es tough.“ Er sollte dieses Buch lesen.

Brigitte Tietzel

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