Welt-Aids-Tag 2020 – ein Beitrag der Aids-Hilfe Krefeld

Es ist nun schon fast Tradition, dass uns die Mediothek Krefeld jedes Jahr zum Welt-Aids-Tag unterstützt.

Wer wir sind? Wir sind eine Einrichtung in Krefeld, die es schon seit 1986 gibt. Wir, die AIDS-Hilfe Krefeld e.V., arbeiten seit 34 Jahren gegen Diskriminierung und Vorurteile von HIV-Infizierten Menschen. Wir beraten und begleiten Menschen mit HIV und helfen ihnen, ihren Alltag zu ordnen, begleiten sie zu Ärzten, Ämtern und zu allem bei dem sie unsere Hilfe benötigen. Auch helfen wir bei Diskriminierungsvorfällen, gehen zu Anwälten und kämpfen für unsere Klienten. Wir informieren die Gesellschaft über Risiken und wie sie sich schützen kann. Auch in Schulen sind wir unterwegs und haben dort den Auftrag, über sexuell übertragbare Krankheiten zu berichten. Um diese umfangreiche Arbeit leisten zu können, benötigen wir viele engagierte Kooperationspartner wie die Mediothek Krefeld.

Wir bekommen auch dieses Jahr wieder die Möglichkeit, das Fenster der Mediothek Krefeld zu schmücken und somit auf unsere Arbeit aufmerksam zu machen. Die MitarbeiterInnen wissen, warum es wichtig ist, dass wir Gelegenheiten bekommen unsere Arbeit in der Gesellschaft sichtbar zu machen. Auch Euch möchten wir diese näher bringen! Wir sind der Mediothek Krefeld sehr dankbar, denn ohne solche Kooperationspartner wäre es für uns um ein Vielfaches schwieriger der Öffentlichkeit Zugang zu Informationen rund um das Thema HIV und AIDS zu geben. Nur so können wir dazu beizutragen, dass die Krankheit eingedämmt wird.

Unsere Arbeit hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Zu Beginn der AIDS-Hilfe Krefeld e.V. bestand ein großer Teil unserer Arbeit in der Sterbebegleitung. Das ist heute nicht mehr so. Die meisten unserer KlientInnen haben heute eine ähnliche Lebenserwartung wie gesunde Menschen. Was vor allem an dem Fortschritt der Forschung und der jahrelangen, guten Prävention der AIDS-Hilfen liegt.

Nun ist es wieder soweit. Jedes Jahr, wenn die Weihnachtszeit beginnt, begehen wir am 1. Dezember den Welt-AIDS-Tag. Zugegeben, es gibt heutzutage viele internationale Tage und sie haben auch alle ihre Berechtigung. Sie sind alle wichtig, um auf Missstände oder wichtige gesellschaftliche Themen aufmerksam zu machen. Da ich jedoch bei der AIDS-Hilfe Krefeld schon viele Jahre arbeite, liegt mir verständlicherweise der 1. Dezember besonders am Herzen.

Viele Menschen haben immer noch Vorurteile gegenüber HIV-Infizierten oder an AIDS erkrankten Menschen. Scheinbar besteht die große Angst, sich selbst mit der Krankheit anzustecken.

Am Welt-AIDS-Tag möchten wir die Gesellschaft weltweit sensibilisieren, aber auch Ängste abbauen.

Vorab möchte ich Euch kurz ein paar Fakten geben, warum wir den Tag überhaupt beschreiten müssen. Denn es gibt weiterhin viele Neuinfektionen. Was vermieden werden könnte, wenn jeder wüsste, worauf es bei dieser Krankheit ankommt und jeder Zugang zu Medikamenten bekommen würde. Was leider nicht weltweit der Fall ist. Auf unserer Internetseite gibt es wichtige Statistiken dazu. Einige davon möchte ich mit Euch teilen. Falls ihr noch mehr dazu wissen möchtet, dann durchstöbert doch die oben aufgeführte Internetseite.

Weltweit lebten 2018 ca. 37,9 Millionen Menschen mit HIV und es infizierten sich 1,7 Millionen Menschen neu.

Im Vergleich lebten in Deutschland im selben Zeitraum 87.900 Menschen mit HIV und ca. 2400 Menschen infizierten sich mit dem Virus neu. Bei uns in Deutschland sind 88% der HIV-Infektionen diagnostiziert, 93% der Diagnostizierten erhalten HIV-Medikamente, bei 95% davon ist HIV nicht mehr nachweisbar.

Wir werden oft in unseren Veranstaltungen gefragt, ob man AIDS inzwischen heilen könne.

NEIN ist jedes Mal unsere Antwort, aber HIV kann unter bestimmten Bedingungen nicht mehr übertragbar sein. Dieser Zustand ist ein riesengroßer Vorschritt im Kampf gegen AIDS.

Wie das geht? Menschen die eine HIV-Infektion haben und von ihr wissen, können sich mit HIV-Medikamenten behandeln lassen. Sobald die Medikamente wirken und diese Menschen gut therapiert sind, kann man den Virus im Körper kaum noch nachweisen. In dem Fall kann der HIV-infizierte Mensch auch niemanden mehr mit HIV infizieren. Zu genau diesen Fakten, dass HIV unter Therapie nicht mehr übertragbar ist, gibt es seit 2016 eine Kampagne #wissenverdoppeln oder n=n (nicht nachweisbar = nicht übertragbar). Diese zielt darauf ab, so viele Menschen wie möglich über den Zustand der nicht Übertragbarkeit bei HIV unter Therapie zu informieren und zu einem Test anzuregen. Denn je mehr Menschen sich testen lassen, umso mehr können therapiert werden und das Risiko durch Unwissenheit andere mit HIV zu infizieren sinkt.

Auch könnten diese Fakten zur Senkung von Diskriminierung führen. Wenn wir es schaffen, die Diskriminierung von HIV-Infizierten Menschen in den Griff zu bekommen, trauen sich auch mehr Menschen zum Test zu gehen. Denn viele lassen sich aus dem Grund nicht testen: Sie fürchten sich davor, Ihre Bekannten, Freunde und Familie zu verlieren, wenn ihr Test positiv ausfällt.

Nun könnte man meinen, wenn alle sich testen ließen und daraufhin Medikamente einnähmen, keiner mehr infektiös wäre und die Krankheit sich somit ausrotten ließe.

Theoretisch stimmt das auch, so könnten wir die Krankheit bekämpfen. Aber warum passiert das nicht?

Weil nicht die ganze Welt den Zugang zu HIV-Medikamenten hat. In Deutschland gehen wir zum Arzt und lassen uns ein Medikament verschreiben. Die Krankenkasse bezahlt es auch. Doch schauen wir mal in ein Land wie die USA. Dort sind nicht alle krankenversichert und müssen ihre Behandlung, wie auch Medikamente selbst zahlen. Auch die Länder in Afrika haben nicht alle die Möglichkeit sich behandeln zu lassen. Zum einen fehlt es an Ärzten, die erreichbar sind und zum anderen an Geld um diese Behandlung zu bezahlen. Auch die Prävention kommt in einigen Ländern zu kurz. Viele Menschen wissen nicht, wie man sich vor einer Ansteckung schützen kann und was die Ansteckungswege sind.

Zum Beispiel ist HIV im Alltag nicht übertragbar. Auf unserer Internetseite könnt ihr Euch bei Interesse genauer darüber informieren. Hier ein kleiner Auszug aus der erwähnten Seite, die das HIV-Risiko beschreibt und Euch die Möglichkeiten aufzeigt Euch zu schützen.

„Ein HIV-Risiko besteht nur, wenn Körperflüssigkeiten, die eine große Menge Viren enthalten, in den Körper gelangen:

  • beim Sex: über die Anal- und Vaginalschleimhaut, die Schleimhaut am Gebärmutterhals (auch wenn nicht im Körper ejakuliert wird) sowie über die Penisschleimhaut („Bändchen“, Vorhaut, Harnröhreneingang).
  • beim Drogenkonsum: HIV gelangt über das gemeinsame Benutzen von Spritzen und Nadeln ins Blut.
  • während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen: über die Plazenta, durch Kontakt mit Blut oder Vaginalsekret oder durch Muttermilch, wenn die Mutter keine Medikamente gegen HIV nimmt.

Vor HIV kann man sich gut schützen:

Auf all das macht der Welt-Aids-Tag aufmerksam. Für uns in Krefeld steht die Prävention an oberster Stelle. Es gibt das ganze Jahr über viele Projekte und Veranstaltungen um auf HIV und AIDS sowie die Übertragungswege und Therapien aufmerksam zu machen. Helft uns beim Kampf gegen HIV und AIDS. Informiert euch über die Krankheit und lasst Euch testen.

Bei uns in der AIDS-Hilfe Krefeld könnt ihr Euch jeden Dienstagnachmittag kostenlos und anonym testen lassen. Ruft an und macht einen Termin. Wir sind montags bis freitags von 10:00 – 13:00 Uhr telefonisch unter der Nummer 02151-65729-0 erreichbar. Der Test ist fast schmerzfrei, nur ein kleiner Fingerpieks und in 20 Minuten habt Ihr Euer Ergebnis.

Falls Euch das Thema gefallen hat und ihr mehr wissen möchtet oder uns sogar unterstützen möchtet, verbreitet gerne die Tatsache das HIV UNTER THERAPIE NICHT MEHR ANSTECKEND IST!

Gerne versorgen wir Euch auch mit Material, Aufklebern etc. ruft doch einfach bei uns an und fragt nach Infomaterial zum Thema. Auf unserer Webseite findet ihr immer interessante Neuigkeiten. Ihr könnt Euch auch auf der Kampagnenseite weiter über n=n (nicht nachweisbar=nicht übertragbar) informieren.

Wir würden uns über Eure Unterstützung sehr freuen. Ihr findet uns selbstverständlich bei Facebook unter „AIDS-Hilfe Krefeld“ sowie bei Instagram unter „aidshilfe_krefeld“. Vielleicht lesen wir uns ja mal dort 😊 und Ihr lasst ein like oder Herzchen da.
Einen YouTube-Kanal hat die Aids-Hilfe übrigens auch – das neue Video zum Thema findet ihr hier 🙂

Patrizia Helten

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