Herbstspaziergang oder die Entdeckung eines Kleinodes an der B230

Ich liebe Spaziergänge im Herbst, Bäume mit buntem Laub und den Duft des leicht moderigen Waldes!
Deshalb gehe ich, wann immer möglich, im Herbst im Wald spazieren. Gerne nutze ich dafür die in Krefeld reichlich vorhandenen Grünanlagen, das Hülser Bruch oder den Forstwald.
Aber ich lerne genauso gerne auch immer wieder Neues kennen. Und manchmal treffe ich dabei sogar auf Naheliegendes, das ich bislang noch nicht kannte.
So geschehen am diesjährigen Feiertag Allerheiligen.

Das Ziel für einen schönen, kleinen Herbstspaziergang habe ich beim Stöbern in dem Buch „Schönes NRW“ von Ferdinand Fischer entdeckt.20181102_174711

Der historische Ortskern, den ich besuchen wollte, liegt nur ca. 20 Auto-Minuten von Krefeld entfernt im Korschenbroicher Ortsteil Liedberg.

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Liedberg ist ein wirklich kleines Örtchen mit dem historischen Charme des Mittelalters und einem eigenen Schloss. Dank der bereits nach dem Zweiten Weltkrieg begonnenen Bestrebungen zur Erhaltung der historischen Bausubstanz  besteht Liedberg heute noch zum Teil aus typisch mittelalterlichen Fachwerkhäusern.

 

Besiedelt ist der Ort aber bereits deutlich länger als seit dem Mittelalter. Schon in der frühen Altsteinzeit sollen hier Siedlungen gewesen sein. Wer Näheres zur Historie wissen mag, kann dazu z.B. hier fündig werden:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liedberg

Das Örtchen liegt jedenfalls am Fuße eines für unsere Gefilde eher untypisch hohen (84m ü.N.), bewaldeten Hügels – dem sogenannten Haag. Hier kann man im Naturschutzgebiet „Quarzitkuppe Liedberg“ auf leicht auf- und absteigenden Wegen eine nette, kleine Runde spazieren gehen.
Dazu parkt man zunächst auf einem der kostenfreien Parkplätze, die sich in der Nähe der B 230 unmittelbar am Ortseingang befinden. Man steigt anschließend über ein paar Stufen hinauf in den Wald und kann sich dabei die Geschichtsträchtigkeit der Örtlichkeit vergegenwärtigen.
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Hier in Liedberg bauten nämlich nicht nur bereits die Römer im Tagebau Sandstein ab, sondern hier trafen sich auch Ludwig der XIV von Frankreich und der Kurfürst und Erzbischof Joseph Clemens von Köln zu Besprechungen für ein Bündnis im Zuge des spanischen Erbfolgekrieges. Leider endeten die Besprechungen in Gefechten zwischen den französischen und den kaiserlichen Truppen bei denen Liedberg schließlich geplündert wurde.
Gut, von Letzterem ist nichts mehr zu sehen, aber der Tagebau von Sandstein und auch Quarzsand hat deutliche Spuren in der Natur hinterlassen, immer wieder tun sich am Wegesrand unvermittelt Abgründe auf. Auch haben die  sogenannten Sandpützen für ein sehr tragisches Denkmal gesorgt. Am Fusse des Schlosses im „Felsenkeller“ wurden 1930 beim pfadfinderlichen Erkunden der Sandabbau-Löcher vier Jungen verschüttet. Einer von ihnen wurde wohl in Düsseldorf beigesetzt, für die anderen wurde dieser Gedenkstein am Unglücksort gesetzt.

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Auf den markierten Wegen läuft man dann quasi um den Ort herum und erhascht dabei gelegentlich einen Blick auf die Bebauung. Und plötzlich bietet sich durch die Blätter ein toller Blick auf einen alten Turm.

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Dieser Turm ist das älteste Baudenkmal des Ortes Liedberg. Bei dem über 1000 Jahre alten Gebäude handelt es sich wohl um die Reste einer Befestigungsanlage zur Zeit der Normannenüberfälle im 9. Jahrhundert. Einst als Wohnturm, danach als Mühle genutzt, kann man heute von außen die unterschiedliche Bausubstanz bewundern und von oben über die niederrheinische Tiefebene schauen. Dafür muss man aber erst einmal 50 Cent berappen, um dann am alten Mühlstein vorbei über eine Metalltreppe eigenfüßig den Aufstieg zu beginnen.

 

Oben angekommen hat man, sogar bei regnerischem Wetter wie in diesem Fall, eine schöne Rundum-Sicht – hier mal in Blickrichtung Krefeld und Düsseldorf.

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Ein kleiner Rundgang durch das Dorf führt auf Kopfsteinpflaster vorbei am Marktplatz mit einer alten Wasserpumpe.

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Falls man Einkehren möchte, gibt es hierzu im Alten Brauhaus am Marktplatz eine Möglichkeit. Leider konnte ich die dort angepriesenen, frischen Waffeln nicht probieren, weil zuhause schon Kaffee und Kuchen auf mich warteten. Vielleicht ja beim nächsten Besuch…;-)

Ein kleiner Ausflugstipp von Bettina Schüren

 

 

 

 

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