Kleine Reise zum Start in den Advent

Auf nach Hamburg! So heißt es seit sechs Jahren jeweils am ersten Adventswochenende für mich und meine Familie. Hamburg ist eine meiner Lieblingsstädte seit ich als Kind einige Jahre im Dunstkreis dieser Stadt gelebt habe. Einmal im Jahr muss ich hin. Los ging´s mit dem Zug und was soll ich sagen: es hat problemlos geklappt!

Am Samstagabend ist es Tradition für uns in das Adventskonzert des Posaunenchors der Michaelis-Gemeinde, sprich Michel, zu gehen. Mit 2000 anderen ZuhörerInnen genießen wir die wunderbare Musik. Freunde von uns spielen Posaune und Tuba, das macht es besonders schön, dabei zu sein. Für mich ist das immer ein sehr stimmungsvoller Beginn der Adventszeit. Ich lehne mich zurück und denke: jetzt ist wirklich Advent! Und nicht dann, wenn die Lebkuchenbäcker und Lamettaverkäufer uns das weißmachen wollen!

Beeindruckt bin ich auch immer wieder von dem großen Adventskranz, den man in der Mitte des Bildes sehen kann. Diese Form des Adventskranzes nennt sich Wichernkranz. Erfunden hat ihn Johann Hinrich Wichern (1808-1881), evangelischer Pfarrer und Gründer des Rauhen Hauses (zum Weiterlesen:https://www.ekd.de/news_2009_11_27_2_Wichern_adventskranz.htm ).

Das Besondere daran ist, dass für jeden Tag im Advent eine Kerze angezündet wird. Die großen Weißen stehen für die Sonntage, die kleineren Roten für die Werktage. Jedes Jahr, wenn ich auf meinem Platz sitze freue ich mich an dem Kranz und denke, dass ich so einen Kranz unbedingt mal für zuhause haben möchte. Allerdings ist mein Wohnzimmer doch zu klein dafür und selbst im Miniaturformat entfacht das Ganze doch bestimmt eine ziemliche Hitze. Also lieber doch: Finger weg! Nein: irgendwann schaffe ich es!

In diesem Jahr konnte ich schon donnerstags nach Hamburg fahren, so dass ich schön viel Zeit hatte, noch andere Dinge zu unternehmen, wie z.B. Weihnachtsgeschenke kaufen, Ausstellungen besuchen und die Stadt ansehen.

In diesem Jahr hat es mich mal wieder in die Speicherstadt gezogen. Vor einiger Zeit hatte ich den historischen Krimi von Boris Meyn „Die rote Stadt“ gelesen, der zur Zeit des Abrisses der alten Bebauung u.a. in den Bereichen Kehrwieder, Wandrahm und der Errichtung der Speicherstadt spielt.

Als ich das Buch gelesen habe, konnte ich in Gedanken an die mir bekannten Schauplätze gehen, die heute noch erhalten sind. Als ich jetzt durch die Speicherstadt ging, musste ich an den Roman denken. So befruchten sich Fiktion und echtes leben gegenseitig. Unter anderem kam ich an dem Gebäude vorbei, in dem die Gesellschaft, die für den Bau der Speicherstadt verantwortlich war, ihren Sitz hatte. Diese Plakette erinnert daran:

Heute stehen in der Speicherstadt alte und neue Gebäude nebeneinander in der sogenannten HafenCity. Ein Teil der alten Speicher ist noch erhalten und beherbergt heute Firmen, Restaurants und Museen, wie z.B. das Miniatur-Wunderland. Wir haben das Speicherstadt-Museum besucht, in dem die Baugeschichte und die Geschichte der Funktion der Speicher und der in ihnen arbeitenden Menschen beleuchtet wird. Witzigerweise haben wir im Museum eine Kaffee-Sortiermaschine der Firma Kaiser´s Kaffee aus Viersen gesehen. In vielen Speichern wurde ja Kaffee gelagert und weiterverarbeitet. Für Diejenigen, die sich für die Geschichte der Speicherstadt interessieren, hier noch eine Literaturempfehlung:

125 Jahre Speicherstadt   

Hamburgs faszinierendes Backsteindenkmal von der Kaiserzeit bis heute. Herausgegeben von Hampel, Thomas; Meyhöfer, Dirk .   Elbe & Flut Edition 296 S. m. 318 Farb- u. SW-Abb. 220 mm 780g , in deutscher Sprache.  

2013   Junius Verlag 

ISBN 9783885060390

Die, die mal selbst beim nächsten Hamburgbesuch durch die Speicherstadt gehen möchten, können sich von diesem Buch inspirieren lassen:

Das gibt es auch in der Mediothek in der Reiseabteilung.

Am Sonntag, bevor es wieder mit dem Zug nach Hause ging, haben mein Mann und ich noch die sehr lohnenswerte Ausstellung „68 Pop und Protest“ im Museum für Kunst und Gewerbe angeschaut. Das war für uns sehr besonders, weil das die Zeit unserer Kindheit war und wir Manches noch aus eigener Anschauung kennen.

Sehr gut wird dort mit Ton-, Film- und anderen Dokumenten, außerdem Kleidung und Möbeln, die Entwicklung von den politischen Ereignissen der Jahre 1967 und 68, wie z.B. dem Vietnamkrieg und den Protesten dagegen, hin zur weltweiten kulturellen Revolution geschildert. Auch der Einfluss dieser „Kulturrevolution“ auf die Kunst und den Kommerz wird gezeigt. Wer denkt denn daran, wenn sich unsere Kinder auf ihren Sitzsäcken fläzen, dass die Sitzsäcke ihren Ursprung in dieser Zeit hatten. Diese Ausstellung finde ich sehr wichtig, weil sie zeigt, wie die Generation unserer Eltern und Großeltern für die Ideen von Freiheit und Selbstbestimmung, für demokratische Teilhabe und Offenheit gegenüber dem Fremden gestritten haben und wie wichtig es heute für uns ist, diese Werte zu verteidigen.

 

Zum Abschluss wünsche ich allen noch eine schöne Adventszeit mit dem Foto des Weihnachtsbaumes vor dem Michel

Eure Katrin

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