Ein Besuch bei den sterblichen Überresten von Pink Floyd

Ich habe eine kleine Zeitreise gemacht, zurück in die 60er (mal wieder; neulich als ich in Hamburg war, ja auch schon). Im Dortmunder U findet eine Ausstellung mit dem Titel „The PINK FLOYD EXHIBITION – Their mortal remains“ über die britische Rockband Pink Floyd statt. Weder wurde ich beauftragt, noch bezahlt um diesen Bericht zu schreiben.

Im Dortmunder U werden alle Besucherinnen von einem Schwein begrüßt, das an das Pink Floyd Schwein der Animal-Tour erinnert.
Foto: Hufschmidt

Es gab einmal eine Zeit, als sich die Menschen LPs = Langspielplatten und keine Musikfiles anhörten. Sie hörten sich, überwiegend in Behausungen, mithilfe eines Plattenspielers mehrere Musikstücke von ein und demselben Interpreten oder ein und derselben Band an. Das konnte dann so 40-50 Minuten dauern (Informationen zu Schallplatten gibt es hier – abgerufen am 31.01.2019). Heute wird anders Musik  gehört, sie wird meistens aus dem Internet heruntergeladen oder gestreamt und kann überall wo man sich aufhält gehört werden. Warum erzähle ich das? Weil Pink Floyd einige der weltweit am meisten verkauften LPs produziert hat.

In die Zeit der Sechzigerjahre, als LPs noch eine große Rolle spielten, reisen die Besucherinnen der oben genannten Ausstellung zurück. Denn in dieser Zeit beginnt die Geschichte von Pink Floyd. Teilweise kannten sich die Bandmitglieder schon aus Schulzeiten in Cambridge, aber erst in London gründeten Syd Barrett, Roger Waters, Nick Mason und Richard Wright ihre Band The Pink Floyd Sound. Der Name leitet sich übrigens von den Musikern Pink Anderson und Floyd Council ab, die die Lieblingsmusiker von Barrett waren. David Gilmour stieß später hinzu. Pink Floyds Art Musik zu machen begann psychedelisch und wandelte sich im Laufe der Jahre zu einem ganz eigenen, unverwechselbaren Stil. Sie entwickelten neue Techniken der Musikerzeugung und -aufnahme und waren so prägend für die Musikkultur.

Doch nun zur Ausstellung selbst: 50 Jahre Bandgeschichte werden lebendig. Chronologisch wird das Werden, der langsame Aufstieg, der Wechsel im Personal, die Hochzeiten und das langsame Verglühen der Band ausgiebig dokumentiert. Interessant für mich war der zeitliche Hintergrund der Entstehungszeit von Pink Floyd aus der Flower Power Zeit. Gerade der erste Raum der Ausstellung zeigt schöne Beispiele für das Zeitkolorit. Üppig werden Dokumente, wie Briefe, Noten, Fotos präsentiert. Gefühlt jede Gitarre, jeder Bass und jedes Becken der einzelnen Bandmitglieder ist zu sehen (ist natürlich rheinische Übertreibung). Viele Ausstattungsdetails einzelner Konzerttouren, wie eine nachgebaute Wand, oder das Flugzeug von „The Wall“, das fliegende Schwein von „Animals“ oder zu Vitrinen umgebaute Betten von „A Momentary Lapse of Reason“ lassen sich in der Ausstellung bestaunen.

Foto des Schweins, das zu Werbezwecken in London zwischen den Türmen des Battersea-Kraftwerkes aufgehängt war. Fotografieren ist in der Ausstellung übrigens ausdrücklich erlaubt.
Foto: Hufschmidt

Hier wird deutlich wie akribisch nicht nur die Konzerttouren, sondern auch das generelle Design der Konzerte geplant wurde. Immer wichtig für das Design der Band und der Platten- beziehungsweise CD-Cover waren Designer, die die Bandmitglieder schon aus ihrer Vor-Band-Zeit von der Hochschule kannten. Sehr eindrucksvoll wird auch der Entwicklungsprozess der Gestaltung einzelner Cover gezeigt.
Zahlreiche Screens mit Interviews der Bandmitglieder aus der heutigen Zeit beleuchten verschiedene Aspekte der Bandgeschichte. Wichtig für die Entwicklung der Musik der Band war es, dass sie immer gesellschaftliche Entwicklungen, wie wirtschaftlichen Niedergang, Rassenkonflikte oder Umweltprobleme, aufgenommen hat.

Fans der Band werden voll auf ihre Kosten kommen. Die Fülle der Exponate kann sie in ihren Bann ziehen und stundenlang in Devotionalien schwelgen lassen. Aber auch „normale“ Besucherinnen, die sich nicht jedes Detail ansehen möchten, sehen eine interessante Ausstellung. Es wird nachvollziehbar, wie sehr die Band die Musikgeschichte geprägt hat. Und es gibt viele Wiedererkennungsmomente. Wer hat nicht schon den Song „Another Brick in the Wall“ gehört oder das Cover der LP „The Dark Side of the Moon“ mit dem Prisma gesehen?

Kritisch angemerkt seien zwei Punkte: mir scheint, dass die überlebenden Mitglieder der Band jetzt, da sie keine Konzerte mehr spielen, noch mit „their mortal remains“, also ihren sterblichen Überresten, Geld verdienen wollen. Und diese Ausstellung ist ihre von ihnen selbst gestaltete Hinterlassenschaft. Kritik an der Band oder auch Themen wie Drogenmissbrauch oder ihr Privatleben kommen deshalb nicht vor. Trotzdem ist es eine sehenswerte Ausstellung.

Da wir morgens schon um 10 Uhr da waren (toll für einen Samstag, an dem man eigentlich ausschlafen möchte) mussten wir beim Einlass nicht zu lange warten. Als wir Stunden später die Ausstellung wieder verlassen haben, betrug die Wartezeit schon circa 2 Stunden. Das Publikum ist überwiegend älter, so ab 50 Jahren aufwärts, und besteht aus typischen Pink Floyd Fans.

Am Eingang bekommen alle Besucherinnen einen Audioguide, der dann Texte und viel Musik abspielt. Manchmal war es für mich schwierig, den Audioguide anzuhören und gleichzeitig immer die Klangkulisse aus Musik, die an der letzten Ausstellungsstation abgespielt wurde, zu hören. Gut gemacht ist es, dass sobald man sich einem Klangexponat nähert, sich der Audioguide auf den Text dieses Exponats umstellt. Besonders spannend ist das, wenn man sich einem Mischpult nähert, an dem man den Song „Money“ selbst abmischen kann. Das macht wirklich Spaß!

Auch das Ausstellungsgebäude, das Dortmunder U, ein ehemaliges Brauereigebäude der Dortmunder Union-Brauerei, ist einen Besuch wert (Informationen zur Geschichte des U gibt es hier – abgerufen am 31.01.2019). Es ist zu einem bemerkenswerten Kulturzentrum umgebaut worden. Dort finden Ausstellungen statt, es gibt das Museum Ostwall, die TU Dortmund hat Räumlichkeiten, es gibt hoch oben einen Club und die beste Aussicht über die Stadt und die nähere Umgebung. Das große U ist weithin sichtbar und zum Wahrzeichen von Dortmund geworden. Selbst dort oben auf dem Dach gibt es eine Videoinstallation zu Pink Floyd – absolut sehenswert! Man braucht aber etwas Abstand zum Gebäude, um die Installation genießen zu können.

Katrin Hufschmidt

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