Tea Time, Tränen und Toilettenchaos – Unser Wochenende in Manchester – Part 3

Unser Wochenend-Trip geht weiter!
Hier nochmal eine kleine Auffrischung was im letzten Part passiert ist: (wer sich noch erinnern kann, darf das natürlich gerne überspringen 😉 )
Nach den tollen Bibliotheken haben wir das Gay Village und das Northern Quarter besucht, was uns beides ziemlich begeistert (und zum Teil überfordert) hat. Ähnlich begeisternd (und verdammt emotional) war auch das Konzert, nach dem wir dann überlegt haben, ob wir noch weiter durch die Straßen ziehen, oder uns doch lieber ins Hostel verabschieden sollten.
Ohne diesbezüglich viel zu spoilern geht es mit diesem letzten Part weiter, in dem wir nochmal durchs Northern Quarter laufen, viel und lecker essen und Jule sich aussperrt.

Das alles erzählen wir euch unbeauftragt und unbezahlt. Also viel Spaß beim Lesen 😀

Unser eigentlicher Plan war es gewesen, noch gemütlich im Pub unter unserem Hostel was zu trinken und vielleicht Karten zu spielen. Aber jetzt wirkte Manchesters Nachtleben doch ziemlich verlockend… Als wir dann auch noch ein paar Häuser weiter von ein paar Drag Queens angesprochen wurden, die uns zu ihrer in Kürze beginnenden Show einluden – ein Event, das jeder mal live erlebt haben sollte – waren wir hin und hergerissen. Aber dann entschieden wir, da wir jetzt einmal in Manchester waren und die einmalige Chance hatten, die Canal Street voll und ganz zu genießen (Wann würde sich uns eine solche Gelegenheit wohl wieder bieten?) uns ins Nachtleben zu stürzen!

Um in den Club zu kommen, in dem die Drag Show stattfinden würde, brauchte man allerdings einen Ausweis. Und Jules lag leider im Hostel.

Also sprinteten wir los und kamen schnell am Hostel an. Zum Glück kannten wir uns in der Stadt mittlerweile ziemlich gut aus.

Ein weiterer Sprint zurück zur Canal Street und schon waren wir in dem Club, in dessen Keller die (kostenlose!) Show stattfand. Sie hatte schon begonnen, was aber nicht weiter schlimm war. Es waren zwar keine Sitzplätze mehr frei, aber wir gesellten uns einfach zu den anderen Leuten, die an die Wände gelehnt standen. Und dann brauchten wir natürlich noch was zu trinken. Wir entschieden uns für die erstaunlich günstigen und leckeren Gin Tonics, die es an der Bar gab.

Jetzt auch mal zur Show: Sie war fantastisch. Es waren drei Drag Queens, die sich mit Gesangs- und Comedy-Performances abwechselten. Die Songs waren natürlich immer mit einer spektakulären Show und sehr divenmäßig, während die Comedy-Einlagen spontan und auf die Zuschauer bezogen waren, wofür die Darstellerinnen auch immer wieder ins Publikum kamen und sich mit den Leuten unterhielten.

Nach etwa der Hälfte der Show konnten wir dann auch mal Plätze ergattern und wurden prompt angesprochen, worauf eine Reihe Deutschland-Witze folgte 😀 Insgesamt war es ein wirklich tolles Erlebnis.

Nach der Show war es schon ziemlich spät (beziehungsweise früh) und unsere letzte Mahlzeit schon eine Weile her, weshalb Jule (komischerweise nicht die immer hungrige – um nicht zu sagen verfressene – Chiara) einen kleinen Hunger verspürte. Wir beschlossen zu Subway zu gehen, da es auf dem Weg lag und die meisten anderen Shops bereits geschlossen waren.

Subway bei Nacht war interessant. Erstens, weil nach 2 Uhr die Sandwiches nicht mehr warm gemacht werden dürfen, was manche Kunden nicht ganz nachvollziehen konnten und wütend den Laden verließen, und zweitens, weil das Publikum dort eher kurios war. Von dem Mann, der in einem eigentlich abgesperrten Bereich saß, und so wirkte, als ob er mit offenen Augen schliefe, über zwei aufgetakelte Party-Gänger, bis hin zu den zwei Gruppen Jugendlicher (vermutlich verfeindete Gangs), die direkt neben uns eine Prügelei anfingen, die der Sicherheitsmann beenden musste.

Das Sandwich war aber lecker, wobei es schon eine äußerst schwierige Angelegenheit gewesen war, überhaupt an dieses zu kommen 😀 Denn das Belegen erfolgt bei Subway auf Wunsch und Jule war nicht bewusst, mit wie vielen Entscheidungen eine Bestellung verbunden ist. Und das auch noch auf Englisch – und nachts um drei! Zum Glück erkannte Chiara (DER Englischprofi schlechthin) relativ schnell den Ernst der Lage und sprang für sie ein.

Als wir – deutlich später als ursprünglich gedacht – dann schließlich wieder am Hostel ankamen, war der Pub leider schon geschlossen. Das war zwar enttäuschend, aber andererseits waren wir so erschöpft von unserem ereignisreichen Tag, dass es uns auch nichts ausmachte, direkt schlafen zu gehen.

Bevor wir aber endlich ins Bett fielen, mussten wir für die Toilette noch einmal das Zimmer verlassen, da es nur gemeinschaftliche Bäder gab. Chiara wählte glücklicherweise die Toilette auf gleicher Etage, während Jule sich auf den Weg zu der im Erdgeschoss machte und schon leicht verwundert war, als sie plötzlich von einer verschlossenen Tür am Treppenabsatz aufgehalten wurde. Die kam ihr völlig unbekannt vor… Durch die Tür durch, fand sie sich aber wieder zurecht und kam endlich an der Toilette an, während das Schicksal seinen Lauf nahm („da nahm das Schicksal seinen Lauf, die Jule kam nie wieder rauf…“ – für alle Stups der kleine Osterhasen Kenner, hier ein kurzer musikalischer Gedenkmoment). Besagte Tür fiel hinter ihr wieder ins Schloss und verwehrte ihr somit den Zugang zu den Zimmern. Nach dem Besuch auf der Toilette stand sie dann also entsprechend hilflos davor und überlegte fieberhaft, wie sie jetzt bloß aus der Nummer wieder rauskommen sollte. Denn, siedend heiß fiel ihr ein, dass der Schlüssel – natürlich – oben bei Chiara im Zimmer war. Auch Chiara selber konnte sie nicht erreichen, denn ausgerechnet in solchen Momenten hat man dann ja auch kein Handy zur Hand (klar!). Also, was tun? Warten, bis Chiara eventuell mal auf die Idee kam, dass es ein Problem gab? Doch wie lange würde das dauern? Wusste sie doch wie lange Jule üblich brauchte. Und was, wenn sie gar schon eingeschlafen war? Zu allem Unglück müssen wir nämlich noch dazu sagen (damit ihr euch das ganze Elend auch bildlich vorstellen könnt), dass wir schon bettfertig waren. Heißt: Jule stand dort im Schlafanzug in Kombination mit eben übergestreiften silbernen DocMartens. Ein äußerst stylisches Outfit.

Alles was ihr also blieb, war die Tür nach draußen, die Toilette (für die Nacht doch eher ungemütlich) und… der Pub! Wäre dieser nicht schon längst völlig verlassen. Trotzdem wagte Jule in der Not dann doch mal einen Blick hinein. Und siehe da, dort saß noch ein Mann allein in einer einsamen Ecke. Also nahm Jule ihren Mut zusammen und kratzte sich aus ihren doch eher ungeübten Englischkenntnissen etwas zusammen. Erstaunlicherweise – es lag wohl an der Verzweiflung – sprudelten sofort zusammenhängende Sätze aus ihr heraus und sie konnte dem Mann ihre missliche Lage verständlich machen (höchstwahrscheinlich). Denn er kramte grummelnd einen Ersatzschlüssel hervor und schloss für sie auf, sodass Jule erleichtert zu ihrem Zimmer hochsprintete und Chiara völlig außer Atem von ihrem aktuellsten Missgeschick berichtete. Zu ihrer Verteidigung: sie hatte diese Chance genutzt, um ihr vollkommenes Englischdebakel bei Subway wieder wett zu machen. Und so viel Englisch wie an dem Abend gab sie während des gesamten Englandaufenthaltes nicht mehr von sich.

Nach der erholsamen Nacht wurde Jule allerdings weniger erholsam von eindeutigen Geräuschen aus dem Nebenzimmer aufgeweckt. Unsere lieben Nachbarn (denen wir Gott sei Dank nicht von Angesicht zu Angesicht begegnet sind!) haben sich wohl gedacht, dass sie sich dieses kleine, kuschelige Hostel morgens noch etwas kuscheliger machen wollen. So ganz genau wollen wir euch das auch gar nicht schildern (aber es war doch ein zu prägendes Ereignis, als dass wir es euch vorenthalten wollten), es reicht eigentlich zu sagen, dass es unglaublich klischeehaft und genau wie im Film war. Und leider sehr lautstark und ausdauernd. Chiara hat all das zu ihrem Glück selig schlummernd nicht mitbekommen.

Da es in unserem Hostel kein Frühstück gab, hatten wir beschlossen, am nächsten Morgen auswärts zu essen. Chiara hatte im Vorhinein online schon ein Restaurant gefunden, das für sein gutes Frühstück bekannt war. Also zurück ins Northern Quarter!

Das Restaurant war wirklich schön. Die Einrichtung war modern, aber nicht unpersönlich, die Preise nicht zu hoch und das Essen KÖSTLICH. Chiara hatte sich für das traditionelle English Breakfast entschieden, während Jule Spiegelei mit Bohnen und Salsa auf knusprigen Tortillas wählte. Auch der Orangensaft und die heiße Schokolade, die wir natürlich testen mussten, waren sehr lecker. Insgesamt ein sehr erfolgreicher Start in den Tag 😉

Nachdem unser Bauch gefüllt war (und gut gefüllt, trotz der gar nicht so groß wirkenden Portionen) machten wir uns auf, das Northern Quarter weiter zu erkunden. Afflecks ließen wir links liegen; die Reizüberflutung von gestern reichte erstmal 😀

Dafür beschäftigten wir uns jetzt intensiver mit den Secondhand-Läden, die den Retro-Chic des Viertels ausmachen.

Schon am Tag zuvor hatten wir gesehen, dass die ‘Hauptstraße‘ des Northern Quarter von beiden Seiten von verschiedensten Boutiquen und Retro-Shops gesäumt ist, die wir jetzt alle erkunden würden.

Die Klamotten-Läden waren zwar interessant, und wir hatten viel Spaß daran, füreinander die kuriosesten Outfits zusammenzustellen, aber es war nichts wirklich Brauchbares dabei. Ganz anders sah das bei Platten und DVDs aus. Bei den tollen Schnäppchen wurden wir schnell fündig.

Mit wüsten Haaren vom vielen Anprobieren und staubigen Fingern vom Durchforsten  alter Platten, beschlossen wir, uns noch eine Pause zu gönnen, bevor wir uns langsam auf den Rückweg machen würden. Da kam uns das „Fig & Sparrow“ gerade recht. Ein gemütliches Nischencafé im Northern Quarter, das man leicht übersehen könnte, wenn man nicht wüsste, dass es da ist. Allzu sehr Geheimtipp schien es allerdings nicht zu sein, denn es war erstaunlich voll. Wir ergatterten zu unserem Glück den letzten Tisch. Aus der großen Auswahl an sowohl Heiß- als auch Kaltgetränken wählte Jule einen Sencha und Chiara einen Chai Latte. Im Glauben, das Frühstück müsste mittlerweile gesackt sein, bestellte sich Chiara außerdem ein Salted Caramel Millionaires Shortbread (ja, es war genau so lecker wie es klingt). Sie schaffte immerhin die Hälfte, danach musste Jule helfen 😀

Wir verbrachten noch ein bisschen Zeit in der angenehmen Wärme des Cafés und spielten Karten, bis Jule einfiel, dass sie sich doch noch etwas im Souvenirshop der John Rylands Library kaufen wollte.

Also ging es nochmal quer durch die Stadt – im Eilschritt, um nicht zu riskieren, den Bus zum Flughafen zu verpassen. Schnell schnappte Jule sich die Buttons, die sie vorher schon ausgesucht hatte und zahlte. Dann ging es auch schon wieder zurück zur Bushaltestelle (natürlich hatten wir noch genug Zeit und hätten uns nicht so beeilen müssen, aber sicher ist sicher ;)) und von dort aus zum Flughafen. Auch dort hatten wir eigentlich genug Zeit-Puffer eingeplant bis unser Flug gehen würde. Als wir allerdings schon am Gate standen und darauf warteten, in die Maschine gelassen zu werden, musste Jule doch nochmal auf Toilette. Sie versprach, sich zu beeilen, und ging los. Uns war schon vorher klar, dass dies ein riskantes Unterfangen werden könnte, da die nächste Toilette etwa 5 Minuten weit weg war und Jule prinzipiell eher lange braucht.

Und natürlich: kaum war sie weg, startete der Einlass. Chiara schob wahnsinnige Panik: Was, wenn Jule nicht rechtzeitig zurückkommen würde? Die Schlange wurde immer kürzer, bis irgendwann niemand mehr wartete. ZUM GLÜCK kam Jule im letzten Moment noch um die Ecke gesprintet und wir verpassten den Flug nicht.

Obwohl wir uns mit dem Boarding so viel Zeit gelassen hatten, standen wir in der Gangway wieder im Stau. Denn im Flugzeug war  kein Platz mehr für Handgepäck.

Jule, die neben ihrem Rucksack noch einen kleinen Koffer dabei hatte, opferte sich, da sich niemand sonst bereit erklärte sein Gepäck noch aufzugeben. So kam es, dass ihr Koffer doch noch im Gepäckraum des Flugzeuges landete. Wir würden also bei der Ankunft noch Zeit für das Gepäckband einplanen müssen. Erst einmal ging es aber in aller Gemütlichkeit aus dem Flieger raus und dann natürlich direkt wieder auf die Toilette, als Jule plötzlich die innere Eingebung hatte, dass (logisch!) ihr Koffer, der als letzter eingeladen wurde, als erster wieder rauskommen würde.

Während Chiara schon vergessen hatte, dass der Koffer überhaupt noch existierte, sah Jule im Augenwinkel schon die Gepäckbänder laufen und hielt nach dem richtigen Ausschau. Mit einem panischen Schrei sprintete sie urplötzlich los, ließ die irritierte Chiara hinter sich und riss ihren Koffer, der schon am Ende des Bandes war, in letzter Sekunde aus dem dunklen Schlund der dort lauerte.

Mit diesem Koffer-Stunt (das nach eigenen Angaben sportlichste und waghalsigste, das Jule je getan hatte) endete unser stressiges Flugerlebnis doch noch in einem Happy End.

Im Auto bei der Rückfahrt waren wir laut Chiaras Eltern wohl ‘seltsam still‘, was aber einfach daran lag, dass das Wochenende zwar wirklich schön und definitiv zu kurz, aber auch ziemlich anstrengend gewesen war.

Wir mussten das auf jeden Fall wiederholen! Und wir hatten ja schließlich noch den Gutschein für den gratis Shot 😀

Mittlerweile haben wir schon wieder neuen Manchester-Urlaub geplant; nämlich im Spätsommer für das Friends Fest, eine interaktive Ausstellung zur Serie Friends. Davon werden wir euch natürlich auch wieder berichten 😉

Bis bald,
Jule und Chiara

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