Kibbeling, Käserasierer und kleine Katastrophen – Return to Holland – Part 1

Nach unserem Winterwochenende in Holland und einer Woche in den Sommerferien letztes Jahr, die sich von den Wetterverhältnissen her kaum unterschieden, war für uns ziemlich klar: dieses Jahr versuchen wir unser Glück aufs Neue und berichten euch hier unbeauftragt und unbezahlt davon.

Wir sind Sparfüchse (da kommen wir später noch zu), auch was den Verbrauch unserer Urlaubstage angeht. Deshalb stand leider fest, dass wir diesen Sommer keine ganze Woche zur Verfügung hätten. Aber ein langes Wochenende tut‘s ja auch!

Eines zu finden, dass bei uns beiden passte, war gar nicht so leicht. Noch dazu sollte das Ferienhaus zu der Zeit ja auch am besten noch frei sein 😀
Schließlich war unsere Entscheidung gefallen – auf ein langes Wochenende, an dem Chiara Samstagsdienst haben würde. Nicht gerade rundum optimal, aber in der Not passt man sich eben den Gegebenheiten an. Wir würden zwar dann nicht schon Freitagabend dort sein – ein schwerwiegender Verlust – aber wir hatten immerhin noch den Montag.

Also ging es an besagtem Samstag los, mit einem kleinen Umweg über den McDrive in Kempen. Dort deckten wir uns mit Chicken Nuggets und Vanillemilkshakes (der einzig Wahre!) für die Fahrt ein. Denn, so traurig es auch sein mag (bitte verurteilt uns nicht dafür), McDonalds Vanillemilkshakes gehören eindeutig zu unseren Schwächen. Von Zeit zu Zeit überkommt uns einfach das Verlangen danach. In letzter Zeit leider ziemlich häufig muss man sagen. Jedenfalls war er der perfekte Auftakt für unseren Mini-Urlaub.
Danach gab es allerdings ein paar Situationen, die Jules Milkshake erstmal in Vergessenheit geraten ließen. Denn die stressige Autofahrt bei sommerlichen Temperaturen in der Hitze des nicht klimatisierten Autos verlangte ihre volle Konzentration. Chiara stand ihr bei, indem sie sie geduldig mit in süß-saurer Sauce (der einzig wahren!) gedippten Chicken Nuggets fütterte. Als das Festmahl dann beendet war, begannen wir, unsere Pläne für das Wochenende zu besprechen. Unsere Vorfreude wuchs mit jedem Kilometer!
Das Wetter war die ganze Fahrt über ziemlich wechselhaft war. Auch wenn wir ab und zu mal durch die Sonne fuhren, ging es kurz darauf immer wieder in Richtung dunkler Wolkenfront. Aber wir hatten fest vor, uns dadurch unsere Urlaubsfreude nicht verderben zu lassen.

Und dann waren wir endlich da!

Erstmal allerdings noch nicht an der Ferienwohnung, sondern beim örtlichen Supermarkt. Wir würden ja am nächsten Morgen was fürs Frühstück brauchen und wollten nicht davor noch einkaufen gehen müssen.
Also deckten wir uns mit verschiedensten Lebensmitteln ein, unter anderem natürlich auch die Klassiker Vla und Chocomel 😉 Außerdem machten wir ein wahnsinniges Schnäppchen am Kühlregal: eine Leberwurst für nur 29 Cent! Wir verstanden zwar nicht so ganz was drin war, aber schmecken würde sie sicherlich.
Kurz vor der Kasse entdeckten wir dann noch eine große Auswahl an Fruchtbieren, die alle sehr interessant aussahen. Wir schnappten uns jeweils eine Flasche Kirsch- und Himbeerbier und ein „normales“ Radler zum Probieren.
Und dann ging es auch schon voll bepackt (viel zu viel für nur ein Wochenende) zurück zum Auto.

Gerade in der Ferienwohnung angekommen und noch nicht mal richtig ausgepackt veranstaltete Chiara schon ein Chaos. Sie hatte die Zewarolle umgestoßen und musste sie jetzt Lage für Lage wieder aufwickeln. Das ging ja gut los… Zum Glück war der Boden noch sauber 😀

Als nächstes fuhren wir nach Colijnsplaat, da wir uns dort bei der von Jule angepriesenen Imbissbude Spare Ribs holen, und diese bei einem gemütlichen Strandpicknick verspeisen wollten. Spoiler alert: es war nicht gemütlich.

Was ihr sicher noch nicht wusstet: Chiara hat panische Angst vor Möwen (sie nennt es Respekt). In ihrer Kindheit hat sie beim Hören einer Bibi Blocksberg Kassette (wer mal reinhören möchte, es war ‚Mami in Not‘), bei der Bibi und ihre Mutter bei einem Flug übers Meer von Möwen angegriffen werden, ein schweres Trauma erlitten, das so schnell nicht wieder geheilt werden kann.
Daher rührte ihre begründete Paranoia, dass die Möwen uns das Essen klauen, unsere Augen auspicken und uns im Meer ertränken würden, der Jule leider kein Verständnis entgegen bringen konnte.
Abgesehen von der Möwen-Situation kämpften wir mit Wind, Decke und Sand. Dass es irgendwann unfassbar zwischen den Zähnen knirschte, brauchen wir wohl nicht extra zu erwähnen. Die Saucen waren mehr Mundinnenraumpeeling als alles andere und die Spare Ribs wirkten paniert. Trotzdem war es köstlich und ein perfekter Urlaubsauftakt.

Auf dem Rückweg zum Auto durch die menschenleeren Dünen brachte Chiara Jule eine erlesene Auswahl an Volksliedern bei, die sie bei diversen Reiterferien, Wandertagen und Planwagenfahrten kennengelernt hatte. Ihr kennt sicher alle diese Lieder, bei denen es einen Vorsänger gibt, der eine Zeile singt (in diesem Fall Chiara) und eine Gruppe, die die Zeile wiederholt (in diesem Fall Jule und ihre zahlreichen Alter Egos). So krakeelten wir jedenfalls durch die Dünen, bis unsere Performance plötzlich spontan durch die Sichtung eines Spaziergängers mit Hund abgewürgt wurde. Sooo schamlos sind wir dann ja doch nicht… 😀

Nach dem Gewaltmarsch durch die Dünen (der Wind war praktisch ein Orkan und der Boden Treibsand) endlich am Parkplatz angekommen hatte Jule überraschenderweise den Drang nach Sprungkrafttraining (wer von unserer Radtour zum Eyller See gelesen hat weiß wie sie auf die Idee kommt, dass das notwendig ist).
Erst hüpfte sie nur immer wieder die Treppenstufen zwischen Parkplatz und Dünen rauf und runter, doch dann wurde es wirklich gefährlich: Sie nahm die Steinblöcke in Angriff. Diese Steinblöcke säumen den Parkplatz, sind einen bis anderthalb Meter hoch und etwa zwei Schritte breit und tief. Die Abstände zwischen ihnen variieren von „definitiv machbar“ bis „auf gar keinen Fall, du brichst dir beide Beine“. Zumindest laut Chiara. Jule fand, der Parcours wäre die perfekte Herausforderung.
Die Distanzen der ersten Kategorie schaffte sie problemlos, was Chiara dazu motivierte, es auch mal zu versuchen. Klappte eigentlich ganz gut. Als Jule dann aber auch welche der größeren Abstände überspringen wollte, wurde es Chiara zu gefährlich. Zu gut erinnerte sie sich noch an das Bankhüpfen. So einer Katastrophe wollte sie unbedingt vorbeugen, weshalb sie Jule mit verschiedensten Argumenten davon abzuhalten versuchte. Doch natürlich hörte Jule nicht auf sie, was Chiara an den Rand eines Nervenzusammenbruchs trieb. Glücklicherweise ging alles gut und Jule blieb unverletzt, aber ein Erfolgserlebnis reicher.

Ein weiteres Erfolgserlebnis bahnte sich im Auto an. Jule hatte etwas Probleme damit, an Steigungen anzufahren, während Chiara von ihrem Vater schon vor dem Führerschein auf dem Verkehrsübungsplatz eine ausführliche Anleitung dazu bekommen hatte und jetzt Profi war. Der große, leere Parkplatz mit der ansteigenden Ausfahrt bot sich natürlich als Übungsgelände geradezu an.
Gedacht, getan. Einen schnellen Fahrertausch später düste Chiara schon über den Parkplatz um sich ein bisschen an Jules Auto zu gewöhnen. Dann widmete sie sich der Steigung und erklärte Jule eine tolle Technik, wie man mithilfe der Handbremse jede Steigung meistert. Nach einer Vorführrunde wechselten wir wieder den Platz und Jule probierte es selbst aus. Mit Erfolg!  🙂

Jetzt, nachdem Jule sich sicher war, alle halsbrecherischen Steigungen in Holland (allgemein ein sehr hügeliges Gelände) bewältigen zu können, konnten wir entspannt zurück zum Ferienhaus fahren.
Dort machten wir es uns für einen Filmeabend gemütlich und fingen schon mal an, Snacks zusammenzustellen. Als wir jedoch die Trauben aus dem Kühlschrank holten, fingen wir an, daran zu zweifeln, ob es denn wirklich so eine gute Idee gewesen war, den Kühlschrank auf die zweithöchste Stufe zu stellen…
Viele schütteln jetzt vielleicht schon ungläubig den Kopf oder lachen über unsere Dummheit, aber wir hatten eben gedacht, dass der Kühlschrank erstmal wirklich kalt werden sollte nachdem er so lange ausgeschaltet gewesen war. Das hatte zumindest geklappt. Er war sogar sehr kalt. Im Grunde war er eine Gefriertruhe.
Sowohl die Trauben, als auch die Getränke waren gefroren und alles andere einfach nur sehr, sehr kalt. Wir beschlossen das Beste draus zu machen und die Trauben einfach mal im gefrorenen Zustand zu testen. Man braucht ja immer mal neue Ideen… und diese war tatsächlich gut! Die eisigen Früchte waren eine tolle Erfrischung.

Mit unseren Snacks und Getränken, die so kalt waren, dass unsere Zähne fast zersprangen, setzten wir uns auf die Couch und guckten Camp Rock, ein Film, der Chiaras Meinung nach zur Allgemeinbildung der Filmkultur der 2000er zählte, und den Jule bisher unverständlicherweise hatte umgehen können.
Er gefiel ihr aber tatsächlich ganz gut, wobei sie ihn gegen Ende nur noch lückenhaft würdigen konnte, da sie sehr müde wurde (eine gesteigerte Sprungkraft hat ihren Preis).

Nach dem Film beschlossen wir, dass es dämlich wäre, noch den zweiten Teil anzufangen, wenn Jule doch jetzt schon kurz vorm Wegdämmern stand. Allerdings hatte auch keiner von uns wirklich Lust von der bequemen Couch aufzustehen. Also versuchte Chiara Jule mit diversen, normalerweise sehr unterhaltsamen Videos aus den Tiefen ihres Handyspeichers wachzuhalten, war damit aber eher semi-erfolgreich. An die Hälfte besagter Videos konnte Jule sich am nächsten Morgen nicht mal mehr erinnern 😀
Dafür hatte sie aber immerhin noch den groben Plot des Films im Kopf und war somit bereit Teil 2 zu sehen. Praktischerweise kann man vom Esstisch aus gut auf den Fernseher gucken, weshalb wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlugen und uns während des ausgedehnten Frühstücks Camp Rock 2 – The Final Jam anschauten.
Anfangs war Jule allerdings etwas abgelenkt von Chiaras Brotschmiertechnik, stellte sie doch sicher, dass jede Ecke des Brotes gleichmäßig mit Butter und anschließend Marmelade bestrichen war. Sehr perfektionistisch (und kein bisschen komisch).

Nach unserem Frühstücksfernsehen machten wir uns auf den Weg zur Wasserskianlage. Dort hatten wir uns im letzten Jahr schon vorzüglich blamiert und wahnsinnig viel Spaß gehabt – klar, dass wir das gerne wiederholen würden (der Spaß war uns dabei wichtiger als die winzige Chance auf eine Blamage).

Nachdem wir uns dann erstmal in die Neoprenanzüge gequetscht hatten (Wir finden ja, man sieht damit ein bisschen aus wie ein Superheld… wie seht ihr das?) ging es dann auch schon zum Steg. Hatten wir doch vorher wegen des wenig sommerlichen Wetters schon etwas gehadert, ob wir das wirklich tun sollten, so machte das die Masse Zuschauer (bestimmt 5 Leute) am Steg auch nicht unbedingt besser.
Aber wir machten uns gegenseitig Mut und versicherten einander, dass wir bestimmt genau da wieder anknüpfen könnten, wo wir letztes Mal aufgehört hatten, und das war eigentlich schon ein ziemlich gutes Endergebnis gewesen.
Wir – bei den Betreibern der Anlage bekannt als „duitse dames“ – starteten also hochmotiviert in unsere erste Runde und stellten begeistert fest, dass wir nicht allzu viel der Technik vergessen hatten. Sah so aus als würde die Blamage ausbleiben 😀
Schon nach wenigen Versuchen schafften wir es wieder so weit wie beim letzten Mal auch. Chiara hatte zwar einen kurzen Totalausfall, bei dem sie nach 2 Metern schon versank, aber das war definitiv eine Ausnahme 😀
Unser Endstand war dann das Erreichen der ersten, beziehungsweise dritten Kurve der Anlage, also ziemlich erfolgreich.

Auf dem Weg vom Ausstieg zurück zum Start der Anlage, muss man ein Stück am Ufer entlanglaufen. Und dort wuchs ein in Jules Augen interessantes „Kraut“, das dem Zeekraal, einer essbaren Alge, ähnelte, die Jules Mutter schon mal zubereitet, sie damals aber nicht hatte essen können. Nun sah sie ihre Chance auf den Genuss der niederländischen Delikatesse gekommen!
Doch sie hatte die Rechnung ohne Chiara gemacht. Diese hatte nämlich keine große Lust eine Vergiftung zu behandeln, sollte das Gewächs doch nicht essbar sein. Also versuchte sie, Jule mit allen Mitteln davon abzuhalten es zu essen, was darin gipfelte, dass es ins seichte Wasser neben dem Steg fiel und dort vor sich hin dümpelte.
Jule beschwerte sich, dass sie nun gar nicht mehr herausfinden können würde, ob es denn wirklich Zeekraal gewesen war, und schmollte so lange, bis Chiara ein schlechtes Gewissen bekam. Sie hüpfte in das trübe Wasser, schnitt sich fast die Füße an den Kieseln auf und fischte den grünen Zweig wieder raus. Sie gab ihn Jule unter der Bedingung zurück, dass sie nur einen Bildvergleich machen und es nicht essen würde. Und Jule stimmte zu.
Als Chiara zurück in Richtung Umkleide ging, Jule dicht hinter ihr, hörte sie plötzlich ein angeekeltes Geräusch gefolgt von einem Ausspucken. Fassungslos fuhr sie herum. Und da stand Jule, die immerhin den Anstand hatte ein bisschen schuldbewusst auszusehen, mit dem Gewächs in der Hand, von dem sie gerade abgebissen hatte.
Chiara zog eine Augenbraue hoch. „Lecker?“
Jule machte eine Grimasse und schüttelte den Kopf. „Schmeckt wie salziges Gras.“ (Wer sich fragt woher sie weiß wie Gras schmeckt hat wohl als Kind nicht viel im Garten gespielt und würde auch den Duft von frisch gebackenem Sandkuchen nicht erkennen.)
Chiara freute sich sehr darüber im Recht gewesen zu sein, war allerdings auch erleichtert, dass Jule nach dem Probieren nicht zuckend und mit Schaum vorm Mund zu Boden gegangen war.

Wir hatten beschlossen, uns in der Umkleide nur kurz abzuduschen um das Salzwasser aus den Bikinis zu waschen, weil es dort nicht so richtig schön war und wir es lieber in Ruhe im Ferienhaus machen wollten. Als wir die Dusche aber anmachen wollten stellten wir zusätzlich noch fest, dass einmal duschen 50 Cent kosten würde. So ein Wucher!
Hier startet unser Lifehack für Sparfüchse. Wir waren nämlich nicht mal annähernd gewillt jeder 50 Cent zu zahlen nur um uns kurz abzuduschen. Also warfen wir sie nur einmal ein und rotierten unter dem Duschstrahl, sodass wir beide etwas davon hatten. Da die 50 Cent ziemlich lange anhielten reichte das auch locker aus und wärmte uns zusätzlich zur ursprünglichen Säuberungsmission auch noch ein bisschen auf. Ohne die Bewegung und das Adrenalin während des Wasserskifahrens war es nämlich doch etwas kühl geworden.
Trotzdem wollten wir unseren Plan für den Tag beibehalten und als nächstes zum Strand fahren, um an der Bude dort Muscheln zu essen. Eigentlich hatten wir wieder zum gleichen Strand wie am Vortag fahren wollen, aber Jule schätzte, dass die Bude dort bald schon zu machen würde und wir dann keine Muscheln mehr bekämen. Eine furchtbare Vorstellung. Zum Glück gab es in der Nähe noch einen anderen Strand, von dem Jule meinte, dass dort die Bude länger aufhaben sollte. Nichts wie hin!

Ob unsere Muschel-Gelüste noch erfüllt werden sollten erfahrt ihr nächste Woche im Part 2! 😉

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