TietzelsTipp: Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt von Maya Angelou

Die schwarze Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin, Freundin von Martin Luther King und Malcolm X, wurde 1928 in St. Louis, Missouri, geboren. Sie verstarb 2014. Der Roman ist die Biographie ihrer Kindheit, später schrieb sie weitere Teile ihrer Biographie.

Maya, geboren als Marguerite Johnson, wurde als Dreijährige, zusammen mit ihrem ein Jahr älteren Bruder Bailey von ihrer Mutter nach der Trennung vom Vater der Kinder in den Zug gesetzt. Völlig allein reisten die beiden von Kalifornien nach Stamps, Arkansas, zu ihrer Großmutter Henderson. Sie wuchsen am Rande der Baumwollfelder in einem Ambiente erschreckender Armut unter den Schwarzen auf. Der Großmutter, die einen Krämerladen betrieb und sehr religiös war, ging es vergleichsweise gut. Die Kinder litten keinen Hunger und lebten in strengen und geregelten Verhältnissen. Die Welt der Schwarzen hatte keine oder kaum Berührungspunkte mit der Welt der Weißen. Wenn es zu Zusammentreffen kam, waren sie durchweg negativ. Den Kindern bedeutete dies zunächst nicht viel. Dem Leser aber wird die Absurdität der Rassentrennung, wie sie in den hier beschriebenen 30er Jahren existierte, vor Augen geführt, unter anderem, als ein weißer Zahnarzt sich weigerte, das unter starken Schmerzen leidende schwarze Mädchen zu behandeln.

Als die Geschwister bereits vier Jahre bei der Großmutter gelebt hatten, tauchte plötzlich der Vater auf, um sie nach Kalifornien zurück zu holen. Sie lebten zunächst bei der Mutter. Maya wird vom Freund der Mutter vergewaltigt, ein traumatisches Erlebnis. Obwohl Maya große Angst davor hat, den Mann zu verraten, der gedroht hatte, ihren Bruder zu töten, kommt die Tat ans Licht. Nachdem der Mann zu einer milden Strafe verurteilt und auf Kaution freigelassen wird, findet man ihn wenig später erschlagen auf. Maya hört auf zu sprechen; sie kehrt mit ihrem Bruder zur Oma zurück. Einer gescheiten und belesenen Freundin der Großmutter gelingt der Zugang zu dem Mädchen. Sie kann Maya für Bücher und Literatur interessieren. Maya findet zu sich selbst zurück und spricht wieder.

Als Bailey eines Tages erlebt, wie man einen toten schwarzen Mann aus dem Wasser fischt und den „Nigger“ unter Gelächter zur Aufbewahrung ins Gefängnis legt, beschließt die Großmutter, die Kinder nun endgültig zu ihrer Mutter zurück zu bringen. Es ist die Zeit der Pubertät. Die Geschwister müssen lernen, sich in einer völlig neuen Welt zurecht zu finden, Eltern zu akzeptieren, die sie im Grunde nicht kennen, und sie müssen lernen, mit den beunruhigenden Gefühlen eines Heranwachsenden und ihrer erwachenden Sexualität umzugehen. Maya fordert einen Nachbarsjungen zum Sex auf und wird sofort schwanger. Mit 17 Jahren bekommt sie ihren Sohn. Gegen alle Widerstände erkämpft sie sich als erste Schwarze den Job einer Straßenbahnschaffnerin in San Francisco.

Ein ungewöhnliches Leben wird diesem ungewöhnlichen Anfang folgen. Wir erleben heute, dass die Konflikte zwischen Schwarzen und Weißen in Amerika und anderswo noch keineswegs vorbei sind.

Brigitte Tietzel

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