Wir spielen Cowboy und Indianer: Rundreise durch den Südwesten der USA – Part 1

Welcher Reiter hat nicht schon mal davon geträumt mit den Cowboys im Wilden Westen durch endlose Weiten zu galoppieren? Es war jedenfalls schon eine ganze Weile der Traum meiner Mutter. Also begann sie mit meinem Vater irgendwann die Planung für eine Rundreise im Südwesten der USA. Denn wenn man schon so weit fliegt sollte man die Zeit dort auch nutzen 😀

Als sie mich dann fragten, ob ich Lust hätte mitzukommen, sagte ich natürlich nicht nein. Meine Eltern meinen, sie freuen sich immer wenn ich noch mit ihnen wegfahre, weil sie von vielen ihrer Freunde hören, dass Urlaub mit den Eltern „voll uncool“ sei. Da ich meine Eltern ziemlich cool finde (und so außerdem nach Amerika kam) war das eine win-win-Situation 😀 Etwas Zeit für sich habe ich ihnen aber dennoch gegönnt und bin erst später hinterhergeflogen.

Eine lange Woche also habe ich noch fleißig gearbeitet, während meine Eltern schon in San Francisco cable car fuhren, durch den Yosemite-Nationalpark wanderten, im Death Valley fast einen Hitzeschlag erlitten, im Sequoia-Nationalpark Bäume umarmten (oder es zumindest versuchten – so Mammutbäume sind schon ziemlich breit) und in Las Vegas Cocktails schlürfend zum Glück nicht das gesamte Urlaubsgeld verspielten.

Dort sollte es für mich dann auch hingehen. Davon berichte ich euch natürlich wie immer gerne – unbeauftragt und unbezahlt.

Nach einer frühmorgendlichen Fahrt zum Amsterdamer Flughafen (Danke, Jule!) sollte mich ein Flieger zuerst nach Detroit und dann weiter nach Las Vegas bringen. Das allein brachte mich schon etwas ins Schwitzen. Normalerweise fliege ich nur nach Großbritannien, wo eine Zwischenlandung nur wenig Sinn ergäbe, weswegen diese Erfahrung mir bisher erspart geblieben war. Jetzt blieb mir aber nichts anderes übrig.

Zuerst konnte ich mich aber im ersten Flugzeug entspannen. Meine Eltern hatten mir schon von dem tollen Bordservice vorgeschwärmt und Fotos von der Filmauswahl geschickt, weshalb ich natürlich direkt den Bildschirm vor mir testete. Aber ausgerechnet bei mir schien der nicht zu funktionieren. Er reagierte auf keinerlei Antippen und auch an- und wieder ausschalten (meine bewährte Methode bei elektrotechnischen Problemen) half nicht. Zum Glück war mein netter Sitznachbar ein beruflicher Vielflieger, dem das Gleiche auch schon mal passiert war. Er empfahl mir, einem der Flugbegleiter Bescheid zu sagen, die das Laufwerk neu starten können. Das hat zum Glück funktioniert und ich konnte mir Der Marsianer (ich habe erwartet, dass ein Film, der hauptsächlich von einer einsamen Person auf dem Mars handelt, reichlich öde ist, wurde aber sehr positiv überrascht) und School of Rock (Jack Black geht immer) angucken.

Kurz vor der Landung wurde ich dann aber doch wieder etwas nervös, was das Umsteigen anging. Würde ich den Koffer neu einchecken müssen? Und nochmal durch die Sicherheitskontrolle? Hatte ich dafür überhaupt genug Zeit?? Ich war schon in aufgeregter Handykommunikation (im Luxus-Flugzeug gab es auch WLAN) mit sowohl Jule, als auch meiner Mutter, die mir beide versicherten, dass alles gut gehen würde, aber die hatten ja keine Ahnung!

In Detroit angekommen sprintete ich also aus dem Flieger (nicht wirklich, aber wenn der Gang nicht völlig überfüllt gewesen wäre, hätte ich es gemacht) und zur Passkontrolle. Dort musste ich natürlich zähneknirschend Schlange stehen, durfte dann aber Gott sei Dank schnell einreisen. Zuhause hatten wir noch Möhren im Kühlschrank gehabt, die ich mir als Snack mitgenommen und dann vergessen hatte, und die ich jetzt natürlich abgab. Die Grenzkontrolleurin war  sehr amüsiert, als ich drei Möhren mit Grün und allem aus dem Rucksack zog.

Am Gepäckband wartete ich nervös von einem Fuß auf den anderen tretend auf meinen Koffer. Bis jetzt war zwar alles ziemlich schnell gegangen und noch hatte ich genug Zeit, aber da ich nicht wusste wie lange die Sicherheitskontrolle und die erneute Gepäckaufgabe dauern würde, war ich immer noch gehetzt. Trotz meiner Eile bemühte ich mich um einen besonders vorsichtigen Umgang mit dem Koffer, denn da unsere Familie nur zwei große Koffer besitzt, und die natürlich meine Eltern in Beschlag genommen hatten, war meiner nur geliehen (Danke, Jule!).

Zum Glück ging alles schnell und gut. Inlandsflüge scheinen in den USA wirklich sehr entspannt zu sein. Ich hatte also am Detroiter Flughafen noch etwas Zeit totzuschlagen. Ich sah mich in den Geschäften um und bekam schon einen kleinen Kulturschock als ich die ganzen Produkte sah, die ich sonst nur aus dem Fernsehen oder Internet kannte (vor allem Süßigkeiten!). Allerdings war mein einziger Kauf eine Flasche Wasser, weil alles andere unverschämt teuer war. Von Flughäfen ist man das ja schon gewohnt, aber da fand ich es besonders auffällig.

Während ich im Wartebereich das WLAN ausnutzte und mich schon mal im amerikanischen Netflix umsah (Da gibt es die Great British Baking Show und bei uns nicht! Empörend!) machte sich schon langsam meine Müdigkeit bemerkbar. In Detroit war es zwar gerade mal Mittag, Zuhause in Deutschland aber schon Abend. Zeit ist verrückt.

Auf dem Flug nach Las Vegas würde ich nochmal in eine andere Zeitzone rutschen, obwohl er gar nicht so lang war. Ich muss sagen, diesmal war auch der Service nicht so gut. Es gab nur eine Snackpackung Cracker 😀 Aber immerhin gab es auch in dem Flugzeug eine große Filmauswahl, was die Zeit schnell vergehen ließ, und ich landete als der Abspann von The Greatest Showman noch lief.

Zum Zeitpunkt der Landung war ich ziemlich genau seit 28 Stunden wach, hatte dafür viel zu wenig getrunken (ich wollte meine Sitznachbarn im Flugzeug nicht allzu sehr mit Toilettengängen nerven) und war dementsprechend halb tot. Ich taumelte mehr zum Gepäckband, als dass ich lief, aber zum Glück warteten dort schon meine Eltern mit einem Lebensgeister wiedererweckenden Cookie. Außerdem hatten sie mir sogar schon einen Lippenbalsam mitgebracht, was ich echt cool fand. Ich hatte eh vor, meine Sammlung um einige US-Originale zu erweitern 😉

Wir verfrachteten mein Gepäck in unseren Mietwagen und düsten erstmal den „Strip“ rauf und runter (oder schlichen eher; die Straßen waren völlig überfüllt mit riesigen Autos). Meine Eltern hatten ja schließlich einiges, was sie mir noch zeigen wollten, bevor wir Vegas hinter uns ließen. Es war auch alles wirklich beeindruckend, vor allem die Themenhotels, aber auf dem Rückweg (die gleiche Straße wieder runter, also habe ich eigentlich nicht wirklich was verpasst 😀 ) übermannte mich dann doch die Müdigkeit und ich schlief ein.

Als ich wieder aufwachte war es schon dunkel und wir hatten gerade auf dem Parkplatz unseres Domizils im Zion Nationalpark angehalten. Schnell wurde eingecheckt, dann ging es in die Lodge. Ich war zwar da schon begeistert von der Natur um uns herum (beziehungsweise zumindest von dem was man im Dunkeln sehen konnte), schlief aber trotzdem fast sofort wieder ein. Das Einzige, was ich noch mitbekam, war, dass es dort (wie in jedem Hotel oder Ferienhaus, in dem meine Eltern bis dahin waren und in jedem, in dem wir noch sein würden) eine Eismaschine (für Eiswürfel, nicht falsch verstehen 😀 ) gab. Ziemlicher Luxus muss ich sagen. Aber ich würde eh noch merken, dass die amerikanischen Getränke meistens zwei Drittel Eis und ein paar Tropfen Flüssigkeit sind.

Als ich am nächsten Morgen mit dieser fantastischen Aussicht aufwachte, machte ich natürlich erstmal ewig viele Fotos. Die rot gefärbten Felsen säumten unser Tal von allen Seiten und thronten über den Lodges. Als wir uns daran (fürs Erste) sattgesehen hatten, ging es zum Frühstücksbuffet.

Neben Backwerk (hauptsächlich Bagels, Toast und Donuts) mit Belägen, Obst, Ei und Cornflakes gab es auch typisch Amerikanisches zu probieren: Patties (also praktisch das Fleisch aus einem Burger, nur ohne Burger), Biscuits & Gravy (kleine Brote mit einer Art Bratensoße), Hash Browns (ähnlich wie Kartoffelpuffer, aber schön knusprig), Pancakes und Waffeln. Die Waffeln wurden sogar frisch zubereitet und es gab dazu die verschiedensten Toppings, wie zum Beispiel Sirup, Sahne oder Schokosoße.

Die Waffeln waren echt köstlich, ebenso wie die Hash Browns (die ich allerdings schon aus England kannte) und die Patties etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht. Was bei mir völlig durchfiel waren die Biscuits mit Gravy. Die Brote waren trocken und krümelig und die Bratensoße (die ich zum Frühstücken sowieso für eine eher kuriose Wahl halte) säuerlich und klumpig. Mein Zimt-Bagel mit Frischkäse war fantastisch.

Was mich aber wirklich schockierte, war die Menge an Plastik, die beim Frühstück verbraucht wurde. Neben dem Verpackungsmaterial, was ja auch hier in Deutschland noch ein bestehendes Problem ist, war das gesamte Geschirr daraus! Plastikbecher, Plastikteller, Plastikbesteck. Mal abgesehen davon, dass es einfach nicht gut schmeckt, mit Plastik von Plastik zu essen, und das Ganze mit einem Getränk aus einem Plastikbehälter runterzuspülen, war das eine riesige Menge von einem Material, das wir alle so wenig wie möglich nutzen sollten, und das nach einer Mahlzeit direkt in den Müll wandert! Nicht cool.

Nach dem Frühstück ging es mit dem kostenlosen Shuttlebus zum Eingang des Parks. Er ist ziemlich groß und an einem Tag nur schwer zu erwandern, daher hatten wir im Vorhinein schon Fahrräder gemietet. Zwar sind da bis zu einem gewissen Punkt auch Autos erlaubt, und der Bus fährt sogar komplett durch, aber wir sind da doch etwas naturverbundener 😉

Vor dem Parkeingang waren ein paar Geschäfte und eine Bar, die wir später noch auskundschaften wollten, aber jetzt galt es erst einmal die kühle Morgenluft zu nutzen.

Die Aussicht war atemberaubend. Wie die Sonne langsam hinter den Felsen aufging, die zu beiden Seiten über uns ragten, und den Fluss erleuchtete, der sich durch die eher spärlich bewachsene Landschaft schlängelte. Wirklich wie in einem Film.

Unsere Lodge lag ja etwas außerhalb, aber man konnte auch im Park wohnen. Nicht weit vom Eingang und direkt neben dem Fluss gab es einen Campingplatz. Es ist bestimmt ein tolles Gefühl in dieser traumhaften Umgebung aufzuwachen.

Es gab auch noch Lodges im Herzen des Parks mit angeschlossenem Imbiss und Wasserflaschenauffüllstation (mit frischem Quellwasser aus dem Park), wo wir unsere Fahrräder erstmal festschlossen. Von dort aus gingen zwei kleine Rundwanderwege ab, die wir testen wollten. Zuerst ging es zu den Emerald Pools. Laut Beschreibung im Reiseführer war dies ein Weg, der zu smaragdgrünen Teichen führte, die von Wasserfällen gespeist wurden, die von den Felsen über dem Weg kamen. Klang ziemlich magisch und auch erfrischend, was uns bei der zunehmenden Mittagshitze ganz recht war. Ich hatte mich vorher schon ein bisschen mit dem Wasser aus dem Fluss abgekühlt, aber so eine kurze Dusche wäre schon ganz nett 😀

Allerdings war es natürlich den ganzen Sommer schon so heiß gewesen und die Emerald Pools kaum mehr als grünliche Pfützen. Kein Wunder. Es kam ja schließlich auch kaum Wasser von oben.

An einer Stelle des Weges wurde man dann vom Spritzwasser doch ziemlich nass. Da blieb ich seeehr lange stehen 😀

Die andere, kürzere Wanderung gewahr uns Einblick ins Tierreich. Nicht nur, dass wir echt niedliche Streifenhörnchen sahen, die jedoch immer schnell von uns weg flitzten. Wir entdeckten auch größere Vierbeiner, die ich liebevoll “Luchs-Reh“ nenne. Ich würde sie als sandfarbene Rehe mit überdimensional großen Ohren beschreiben. In einem anderen Nationalpark eine Woche später habe ich erfahren, dass sie mule deer heißen, also Maultier- oder Großohrhirsch. Ich finde da war ich mit Luchs-Reh schon ziemlich nah dran. 

Nach der körperlichen Betätigung in Utahs glühender Sonne brauchten wir erstmal eine Pause. Wir setzten uns an den Imbiss, und während meine Mutter ein Softeis bestellte und mein Vater sich für Bier entschied, hatte ich meine erste Erfahrung mit amerikanischer Soda. Erstmal hatte ich Probleme mit der Selbstbedienungsmaschine und verteilte ein halbes Kilo Eiswürfel im Raum. Dann machte ich den Fehler, alles probieren zu wollen. Ich frage mich wirklich, wie hochfrequentiert Zahnärzte hier sind, denn mir taten die Zähne schon nach zwei Schlücken weh. Es war einfach viel, viel, viel zu süß! Selbst Dinge wie Cola oder Fanta, die ich ja eigentlich kenne, schienen hier mit einem zusätzlichen Kilo Zucker versetzt zu sein. Letztlich war das Einzige, was mir halbwegs schmeckte (abgesehen vom stillen Wasser) Dr. Pepper, was ich schon aus England kannte.

Wir fuhren noch bis zur letzten Station des Shuttlebusses und drehten dann wieder um. Am Ende des Parks hätte es noch einen sehr interessanten Weg durch den Fluss gegeben, aber da dieser sehr lang sein sollte, wurde uns das zeitlich zu knapp.

Auf dem Rückweg nutzten wir den Fluss nochmal für eine wohlverdiente Abkühlung, bevor wir den Park wieder verließen.

Nach kurzem Stöbern in einem der Läden machten es sich meine Eltern im Außenbereich der Bar bequem, während ich alle Shops systematisch nach Lippenpflegeprodukten absuchte. 😀

Ich fand tatsächlich einige, und auch wirklich interessante Sorten. Außerdem kaufte ich uns allen einen süßen Snack: meinem Vater Trüffel, meiner Mutter einen Mandel-Kokos-Schokoriegel und mir selbst Sour Patch Kids (sehr empfehlenswert!). Allerdings gab es wieder eine Sache, die mich wahnsinnig störte, und zwar, dass mir bei jedem kleinen Einkauf eine Plastiktüte angeboten wurde. Ich brauchte keine, habe also jedes Mal abgelehnt, aber dass die in den USA noch so viel genutzt werden finde ich echt nicht gut.

Nachdem wir noch ein wenig durch die Stadt gebummelt waren, knurrte uns ganz schön der Magen. Zuvor hatten wir ein mexikanisches Restaurant entdeckt, das sehr einladend aussah. So nah an der Grenze war das Essen bestimmt besonders authentisch – vor allem war es aber mega lecker! 😀

Mit vollen Bäuchen fielen wir schließlich ins Bett, um am nächsten Morgen früh weiterzufahren.

Unser nächster Stopp war der Grand Canyon. Gleich neben dem Parkplatz unserer Unterkunft für die nächste Nacht lauerte der gähnende Abgrund. Ein bisschen gruselig war das schon, aber vor allem wahnsinnig beeindruckend!

Leider kommt es auf Fotos nie so toll rüber, wie in echt…

Da wir noch Zeit hatten, bis wir einchecken konnten, sahen wir uns erstmal das Hauptgebäude der Lodges an, das wirklich schick war – und direkt in die Klippen gebaut.

Die Aussicht war fantastisch, weswegen wir uns erstmal auf die Sonnenterrasse setzten, die Füße hochlegten und mit Blick in den Canyon entspannten. Dort fiel mir ein Hinweisschild auf, das alle Bewohner bat, Wasser zu sparen, da es in Arizona und einigen anderen der südlichen Bundesstaaten Wasserknappheit gab. Wir merkten über den ganzen Urlaub hinweg nicht besonders viel davon (was eigentlich ein schlechtes Zeichen ist, denn dann wurden wohl kaum Maßnahmen ergriffen), außer dass uns das viele Plastikgeschirr und -besteck erklärt wurde: man spare das Wasser beim Spülen. Ob es sinnvoll ist, das eine Übel mit dem anderen zu ersetzen, sei jetzt mal dahingestellt…

Als sich der Check-in immer länger hinzog, kribbelte es uns in den Füßen, schon mal ein bisschen auf Entdeckungstour zu gehen. Von der Terrasse aus gingen zwei Wanderwege ab: einer ging über einen Grat durch den Canyon und der andere war ein Rundweg am Rand entlang mit verschiedenen Abzweigungen.

Wir starteten mit der kürzeren Gratwanderung. Obwohl es sogar mehrere gesicherte Aussichtsfelsen gab, war uns zuvor schon aufgefallen, dass manche Menschen offenbar mit Freude ihr Leben für ein gutes Foto riskieren. Wenn dann jemand von der Kante eines herausragenden Felsbrockens die Beine baumeln lässt, kriegt man echt Herzrasen. Vor allem wenn man vorher im Souvenirshop war und den dicken Wälzer ‚Death in Grand Canyon‘ gesehen hat. Nicht unbedingt ermutigende Lektüre. Wir hielten uns also mit der Risikofreude eher etwas zurück; besonders mein Vater mit seiner leichten Höhenangst, der selbst unsere Fotoposen manchmal schon als zu nah am Abgrund einstufte, und sich lieber mittig auf dem Weg hielt.

Nachdem wir dann endlich eingecheckt und unser Gepäck untergebracht hatten, bogen wir auf den Rundwanderweg ab. Hier war es deutlich weniger bevölkert als bei der Gratwanderung, und uns begegneten nur zwei andere Gruppen. Lag wahrscheinlich daran, dass es hier nur weniger riskante Fotohintergründe gab. Nach dem vorherigen Gewusel war es eine willkommene Abwechslung in Ruhe durch die duftenden Pinienwälder zu spazieren und dabei trotzdem noch die Aussicht auf den Canyon zu haben.

Nach einem Teil des Weges bogen wir in Richtung des Campingplatzes ab, um von dort aus zurück zu den Lodges zu laufen. Wir hielten uns noch ein wenig im General Store auf, der alles anbot, was das Camperherz begehrt – natürlich dank der Monopolstellung zu hohen Preisen. Trotzdem kaufte ich etwas, denn dort gab es Twinkies, eine typische, US-amerikanische Süßigkeit, die ich unbedingt testen musste. Ein Twinkie ist wie ein kleiner Biskuitkuchen mit Sahnefüllung.
Und es war grauenvoll. Süß und klebrig und schrecklich. Kann ich wirklich nicht empfehlen 😀

Als wir wieder an den Lodges ankamen, brauchten wir natürlich erstmal eine Getränkepause und kehrten mit farblich abgestimmten Neon-Drinks zur Sonnenterrasse zurück.

Der Tag endete mit einem köstlichen Dinner im Restaurant des Hauptgebäudes. Der Raum war zwar kalt und es zog, sodass viele der Gäste sogar ihre Jacken anließen, aber das Essen war richtig gut!

Am nächsten Tag stand die Fahrt zum Bryce Canyon an, wo wir zwei Nächte verbringen würden. Nach dem langen Weg durch die endlosen Weiten kamen wir am frühen Nachmittag endlich an. Am Hauptgebäude der Lodges, wo wir eincheckten, entdeckten wir Werbung für Ebenezer’s Barn & Grill, eine ausgediente Scheune gleich die Ecke rum, wo es typisches Essen und dabei eine live Country-Band  gab. Klar, dass wir für dieses Erlebnis sofort einen Platz reservierten 😀

Bis es losgehen würde hatten wir aber noch genug Zeit, uns ein wenig umzuschauen. Gleich gegenüber von den Lodges befand sich Old Bryce Canyon Town, ein klischeehaftes Mini-Westerndorf (genau genommen 5 Häuser und eine Wassermühle) mit Souvenirshops und einem Laden mit Edelsteinen.

Es war wirklich schön dort, aber man war schnell durch, weshalb wir noch ein bisschen durch die Gegend und um einen See spazierten und dann etwas in unserer Lodge dösten.

Zum Dinner-Event waren wir natürlich wieder topfit und sehr gespannt. Die Scheune war total cool eingerichtet. Die Wände waren voll von US-Flaggen in jeder Form und alten Aufnahmen von Cowboys, die Schilder, zum Beispiel über der Bar, waren in typischem Wild-West-Stil und in der Ecke neben der Bühne war eine kleine Tanzfläche abgetrennt – mit Lichterkette und allem!

Wir nahmen an einem der runden Tische Platz, wo uns drei nette Damen Gesellschaft leisteten, und warteten darauf, mit dem Essen dran zu sein, das wir uns vorher schon aus vier verschiedenen Menüs ausgesucht hatten. Obwohl es aufgrund der großen Menge an Gästen fast schon an Massenproduktion grenzte, war es wirklich lecker! Nach dem Essen kam dann die Band auf die Bühne und machte tolle Stimmung.

Als wir spätabends die paar Meter zurück zu unserer Lodge gingen war es schon kühl, aber das war kein Vergleich zum nächsten Morgen. Bisher war es vor allem warm gewesen und vom nahenden Herbst hatte man wirklich nichts gespürt, aber jetzt war es so kalt, dass die Autoscheibe zugefroren war! Auf dem Weg zum Frühstück fröstelten wir ein bisschen. Das Klima ist doch was bemerkenswertes 😀

Mit dem Shuttlebus ging es zum Canyon, wo wir erst den Souvenirshop unsicher machten (Ein neuer Lippenbalsam, woohoo! 😀 ) und dann hinunter in den Canyon wanderten. Dort begegneten uns schon die ersten von vielen Streifenhörnchen – wahnsinnig putzig! 😀

Es war noch früh, weshalb nicht viele andere Menschen unterwegs waren – oder vielleicht blieben die Massen auch einfach auf den einfacheren Wegen am Rand des Abgrunds entlang. Denn auf dem Hinweg ging unser Weg praktisch nur bergab, aber wir mussten das ja auch alles wieder rauf! Die Aussichten waren es aber sowas von wert…

Es war wirklich cool, zu sehen wie sich das Panorama verändert. Erst die sandigen Wege nahe der Kante des Canyons, immer umringt von rotgoldenen Felsen, und dann die satten, dunkelgrünen Wälder auf seinem Grund. Ich kann nicht mal sagen, was mir davon besser gefallen hat – wahrscheinlich die Kombination. Definitiv nicht der Aufstieg 😀

Wobei auch das eigentlich Spaß machte, weil die Wege fast schon zum Kraxeln waren und nicht einfach gerader Boden. Natürlich machte das das Ganze auch noch etwas anstrengender, sodass wir eine neue Energiezufuhr kaum noch abwarten konnten. Zum Glück gab es wenig später ein leckeres Abendessen 😉

Wie es weiterging, warum wir beim Rafting nicht nass geworden sind, und von unserem Ausritt mit Cowboys und Indianern erzähle ich nächste Woche in Part 2 🙂

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