Wir spielen Cowboy und Indianer: Rundreise durch den Südwesten der USA – Part 2

Letzte Woche gab es Part 1 unserer USA-Rundreise – jetzt geht es weiter! Ich erzähle euch von weiteren tollen Naturschauspielen, Ausritten und einem nicht ganz so wilden Wildwasser-Rafting – natürlich wie immer unbeauftragt und unbezahlt 😉

Am nächsten Tag ging es nach einem leckeren Frühstück  wieder auf die endlosen Highways, die uns dieses Mal nach Moab führten.

Kurz nach der Ankunft machten wir gleich eine Tour durch den Ort und ich eine besonders tolle Entdeckung: ein kleiner mexikanischer Foodtruck, der Tacos verkaufte. Natürlich musste ich mir einen davon gönnen 😉 und er war absolut köstlich!! Nachdem wir die Läden unsicher gemacht, und uns mit ein paar Snacks ausgestattet hatten, nutzten wir den Rest des Abends zur Entspannung am Hotelpool und gönnten uns ein leckeres Abendessen.

Für den nächsten Tag war Action angesagt! Wir hatten eine Rafting-Tour auf dem Colorado River gebucht, zu der auch eine Mittagspause mit (sehr klischeehaft amerikanischem 😀 ) Burgerbuffet gehörte. Mega cool. Teil des Pakets war ebenfalls eine ziemlich coole metallene Trinkflasche mit Karabiner, die wir am Schlauchboot würden befestigen können – und behalten 😉

In einem etwas klapprigen Bus ging es erst durch den Ort, wo wir noch andere Gruppenteilnehmer abholten, und dann Richtung Fluss. Wir wurden jeweils etwa zu siebt einem Boot inklusive Guide zugeteilt und mit Rettungswesten ausgestattet, mit denen die Bewegungsfreiheit etwas eingeschränkt, die Hitze dafür aber gesteigert war 😀

Aber das war ja nicht so schlimm, wir würden ja wahrscheinlich eh etwas kühles Wasser abbekommen – richtig? Falsch. 😀

Beim Wort ‘Rafting‘ denkt man gleich an wilde Stromschnellen, Wasserwirbel und nasse Menschen, aber der Utah’sche Sommer hatte dem Colorado River wohl ziemlich zugesetzt und wir konnten uns glücklich schätzen, nicht am Grund zu kratzen, so niedrig war der Wasserstand. Okay, vielleicht übertreibe ich etwas, aber von viel Action war nicht die Rede 😀

Umso mehr Zeit hatten wir dafür, uns mit unseren Mitfahrern zu unterhalten, einem netten älteren Paar aus Minneapolis (deren Tochter witzigerweise auch in einer Bibliothek arbeitet), zwei jungen Frauen aus der Umgebung und natürlich unserem Guide. Wir erfuhren einiges über wilde Tiere, wie Berglöwen und Schlangen, die in der Gegend heimisch sind, und bekamen ein fundiert begründetes Ranking verschiedenster Nationalparks an der Westküste.

Das Mittagessen war natürlich megalecker. Wir machten einen Stopp an einer abgelegenen Farm und bekamen dort auf der Veranda das Buffet serviert. Es gab eine große Auswahl an Belägen für die Burger und verschiedenste Salate als Beilage.

Nach Beendigung der Rafting-Tour war es noch ziemlich früh. Zum Glück, denn wir wollten uns auch noch den nahe gelegenen Arches Nationalpark anschauen! Dank der Tipps unserer Rafting-Gruppe kannten wir da ja nun auch die Bögen, die man auf jeden Fall gesehen haben musste. Das sollte ich vielleicht kurz erklären: Der Arches Nationalpark (arches = Bögen) ist ein großes Gebiet, auf dem unglaublich viele Felsen verstreut sind, die bogenförmige Ausbuchtungen haben. Was die Natur so kann ist schon beeindruckend 😀

Wir fuhren zunächst an einigen ganz coolen Formationen vorbei und stellten dann das Auto ab, um uns den nur zu Fuß erreichbaren ‘Delicate Arch‘ anzusehen, der wohl das Highlight war. Der Weg führte uns vom Parkplatz weg auf ein riesiges Felsplateau, von wo aus es über Stock und Stein (wortwörtlich) weiterging. Es war ziemlich abenteuerlich, machte gerade deshalb aber auch echt Spaß! Auf Asphalt wandern kann ja jeder 😀

Die Aussicht war es auch wirklich wert:

Nachdem wir den Bogen von allen Seiten ausführlich beobachtet und abgelichtet hatten (außer von hinten, da lauerte der Abgrund) machten wir uns auf den Rückweg zum Auto. Wir parkten nochmal an anderer Stelle und liefen ein bisschen durch den Park, aber ich muss sagen, wenn man es einmal gesehen hatte wurde es relativ schnell langweilig.

Zurück in Moab zogen wir sofort zum Essen los. Am Vortag hatten wir bei der Stadterkundung ein kleines Rondell aus Food Trucks gefunden, in deren Mitte Tische und Bänke aufgestellt waren. Die Auswahl war riesig und wir probierten verschiedene Dinge, aber mein persönliches Highlight war der riesige Bananen-Schoko-Mandel-Smoothie *heart eyes*

Unser nächster Stopp war das Monument Valley, das ja wohl spätestens nach Forrest Gump jeder kennen sollte 😉 Man muss sagen, dort ist die Uhrzeit besonders verwirrend. Wir hatten uns auf der Rundfahrt durch die Zeitzonen schon ans ständige Uhrumstellen gewöhnt, doch jetzt wurde es wirklich kompliziert. Das Monument Valley liegt nämlich mitten im Grenzgebiet von Arizona und Utah. Während in Arizona die Mountain Standard Time herrscht, gilt in Utah die Sommerzeit, Mountain Daylight Time (falls ich da etwas falsch erkläre tut es mir leid, ich blicke da selbst nicht so durch, fürchte ich… :D), weshalb es sehr verwirrend ist, sich mittendrin aufzuhalten.

Unsere Lodge war eine von vielen, die fast wie ein kleines Wohngebiet angelegt waren, plus Haupthaus mit Pool, Souvenirladen, Restaurant und kleinem Museum. Abgesehen davon gab es in näherer Umgebung noch eine Tankstelle mit Shop. Sonst meilenweit nichts (außer einer stillgelegten Landebahn – Gott weiß wozu die gut war).

Bei unserer Ankunft konnten wir nicht direkt einchecken, dafür aber schon mal den Pool nutzen (leider indoor, aber mit einer Terrasse und Sitzmöglichkeiten davor). Vorher sahen wir uns noch den kleinen Shop an, in dem es neben den typischen Touristendingen (ich habe zwei coole Lippenpflegestifte ergattert) auch einzigartige Kleidung, Speerspitzen und ähnliches. Das liegt daran, dass das Monument Valley innerhalb der Navajo-Nation-Reservation liegt und natürlich auch von den Navajo verwaltet wird.

Ebenfalls von den Navajo durchgeführt wurde unser Ritt am nächsten Tag. Wobei wir erstmal fürchteten bei der Buchung wäre etwas schiefgegangen. Als wir dann nämlich endlich am versteckt liegenden Stallgebäude mit Paddocks drum herum angekommen waren, waren wir die Einzigen dort. Als nächstes tauchten vier weitere Reiter auf, was uns ein wenig Hoffnung machte, und dann trudelten schließlich auch nach und nach die Betreiber ein.

Sie fragten uns nach unseren Vorlieben, sodass zum Beispiel mein Vater, ein (nett gesagt) ungeübter Reiter, ein eher ruhiges, langsames Pferd bekam, und meine Mutter, die regelmäßig schnelle Ausritte macht, das genaue Gegenteil. Die Pferde wurden gesattelt, wir bekamen je nach Wunsch Cowboyhut oder Helm und dann ging es auch schon los!

Laut Buchung hatten wir einen entspannten Ausritt im Schritt vor uns, doch es war ziemlich schnell klar, dass das nicht der Fall sein würde. Schon am Anfang legte unser Vorreiter ein ordentliches Tempo vor, sodass wir oft im Trab aufholen mussten. Außerdem ging es wirklich über Stock und Stein! Der Weg begann im tiefen Sand, führte dann immer wieder hoch und runter über kleine Hügel und nahe der Felsen natürlich auch über Stein, zum Teil sogar direkt an einer Abbruchkante vorbei. Es war ziemlich abenteuerlich, vor allem da wir, sobald wir ein Stück vom Stall weg waren, auch anfingen viel zu traben und sogar ein Stück galoppierten. Mein Vater wirkte davon anfangs wenig begeistert, gewöhnte sich aber recht schnell daran. Meine Mutter und ich und dem Anschein nach auch die anderen Mitreiter hatten wahnsinnig viel Spaß. Es war wie in einem Wild-West-Film!

Nach diesem tollen Erlebnis ging es gleich wieder auf den Highway, wobei wir noch einen kurzen Stopp bei Taco Bell einlegten, um etwas zu essen. Dafür, dass es eine Kette mit günstigen Preisen ist, war es erstaunlich gut 😀

Weiter ging es nach Page, Arizona. Kurz vor unserem Ziel kam ein Walmart in Sicht, dem wir für das echte USA-Erlebnis natürlich einen Besuch abstatten mussten. Der Laden war RIESIG und es gab wirklich alles. Klamotten, Gartenmöbel, Werkzeuge, Kochutensilien, und sogar Waffen neben den normalen Lebensmitteln. Wobei normal auch relativ ist, wenn man die Dimensionen bedenkt… ich stand bestimmt eine halbe Stunde vor einem kompletten Regal nur mit Oreo-Keksen! Es war erschlagend, aber auch extrem faszinierend.

Page selbst haben wir nicht wirklich besichtigt, aber es war ein guter Ausgangspunkt für Sehenswürdigkeiten in der Nähe. So besichtigten wir am ersten Tag den Horseshoe Bend (Hufeisenkurve) des Colorado River.

Es war mal wieder ein tolles Naturschauspiel, wenn auch der touristische Andrang sehr groß war (selbst als Touristen unterwegs, konnten wir uns darüber nicht wirklich beschweren 😀 ) und manche der Besucher, ähnlich wie beim Grand Canyon, wieder sehr risikofreudig unterwegs waren. Obwohl die Aussichtsplattform ziemlich überlaufen war, schafften wir es, ein paar schöne Fotos zu machen – auch ohne andere Menschen drauf 😉

Nachdem wir den Rest des Tages dann im Hotel haben ausklingen lassen (es gab glücklicherweise wieder einen Pool – diesmal sogar draußen – und ein fantastisches Restaurant) ging es am nächsten Morgen schon früh los. Wir hatten eine Tour durch den Antelope Canyon gebucht. Den erkennen viele von euch vielleicht gleich als gern genutztes Cover von Collegeblöcken 😉

Allein die Fahrt dorthin war spannend: in Kleingruppen wurden wir auf eine Art offene Planwagen aufgeteilt, die erst noch ganz gemütlich über den Asphalt tuckerten (Übrigens an einer Kirche nach der anderen vorbei. Wirklich, ich habe noch nie so viele Kirchen nebeneinander gesehen!), beim Beginn der sandigen Wege aber ziemlich holprig und unbequem wurden. Andere Kontaktlinsenträger werden auch mein und meines Vaters Problem nachvollziehen können, das wir mit dem hochfliegenden Sand hatten. Auf dem letzten Kilometer bis zum Canyon waren wir also praktisch blind.

Da der Canyon sehr eng ist, aber mal wieder ein gefragtes Touristenziel, wurden wir in einer Gruppe als lange Schlange hindurch geführt und hielten immer wieder an Foto-Punkten an. Auf dem Rückweg durfte man dann später keine Fotos mehr machen, da man sonst den Verkehr aufhielte. Die Organisation war zwar top, aber etwas seltsam war es erstmal schon – und an manchen Stellen immer noch ziemlich eng 😀 Die Fotos sind allerdings wirklich fantastisch geworden, obwohl keiner von uns eine wirklich gute Kamera dabei hatte, nur die Handys. Das lag wohl auch daran, dass unser Guide uns vorher noch Tipps zur Kameraeinstellung gegeben hat 😉

Bevor es nach der Canyon-Tour wieder ins Auto und zum nächsten Stopp der Rundreise ging, statteten wir der Glen-Canyon-Staumauer noch einen Besuch ab, die den Colorado River staut und somit den Lake Powell entstehen lässt. Die Mauer ist über 200 Meter hoch, was schon ein starker Ausblick ist, und wurde in den 50ern und 60ern erbaut. Aus dem Camp der Arbeiter entstand dann später Page, wir waren also ziemlich historisch unterwegs 😉

Ich habe vorhin schon das Monument Valley als “Mitten im Nichts“ beschrieben, aber unser nächstes Ziel toppte das nochmal.

Wir würden einige Tage auf einer Ranch verbringen, wo man Ausritte machen, aber auch Bogenschießen ausprobieren, Quad fahren oder einfach am Pool liegen konnte. Nach langer Highway-Fahrt bogen wir irgendwann in einen Schotterweg ein, der halb von Sand bedeckt war und zunehmend unwegsamer wurde je weiter wir fuhren. Und wir fuhren WEIT. Bestimmt eine halbe Stunde kurvten wir dort herum, immer in der Hoffnung, die Ranch würde irgendwann am Horizont auftauchen – bis sie es endlich tat. Da war es dann auch fast schon wieder dunkel 😀

Der Junior-Chef gab uns noch eine Tour des Geländes, dann war es auch schon Zeit fürs Abendessen. Es fand in einem großen Speisesaal statt, an dessen Längsseite ein Buffet aufgebaut war, und wo es auch einen Getränkespender mit einer Auswahl an Softdrinks gab. Daneben natürlich die obligatorischen Eiswürfel 😉

Meine Mutter meldete sich auch gleich für den Ausritt am nächsten Morgen, während ich mich erstmal ein wenig einleben wollte. Meinem Vater hatte das Reiterlebnis im Monument Valley gereicht 😀 Als sie sich dann also mit den anderen Reitern nach einem leckeren Frühstück den Pferden zuwandte, machte ich erstmal eine Foto-Tour. Die Ranch war wirklich mit viel Liebe zum Detail angelegt und bot tolle Motive:

Am Abend hatte dann auch ich meinen ersten Ritt. Mit dem Putzen und Aufzäumen der Pferde hatten wir wenig zu tun, was ich schade fand, aber wahrscheinlich Zeit sparte. Wir wurden in zwei Gruppen auf- und dann jeweils einem Berittführer zugeordnet. Wir waren zu viert: neben meiner Mutter und mir war noch eine Engländerin und der jüngere Bruder des Junior-Chefs als Berittführer dabei.

Schon von Anfang an merkte ich, dass meine Stute gemütlicher war als die anderen Pferde. Ich musste ständig auftraben, was anstrengend war, da sie kaum aufs Treiben reagierte. Und auch das ‘Lenken‘ war nur mäßig erfolgreich, da die Westernzäumung für mich sehr ungewohnt war. Wir gingen fast ausschließlich Schritt und das in Kombination mit der wüstenähnlichen Landschaft wurde ziemlich schnell langweilig, zumindest ging es mir so. Auf Nachfragen ob wir nicht auch mal schneller reiten könnten reagierte unser Berittführer gar nicht oder ausweichend. Das langsame Tempo kam ihm ja auch zugute, da er die ganze Zeit Nachrichten an seinem Handy schrieb…

Ich war also sowieso schon etwas genervt als wir irgendwann stehen bleiben mussten, weil der Hund, der dabei war, einen Kaktusstachel in der Schnauze stecken hatte, den unser Berittführer entfernen wollte. Er stieg ab und wandte sich ganz dem Hund zu, da die Entfernung des Stachels nicht ganz unkompliziert war. Sein Pferd ließ er einfach stehen. Ihr könnt euch vorstellen was passierte…

Sein Pferd entfernte sich langsam und als meine Mutter ihn darauf aufmerksam machte und er sich ihm wieder nähern wollte, trabte es weiter weg. Na toll. Er lieh sich das Pferd meiner Mutter und machte eine Show daraus, dem anderen Pferd hinterherzujagen, was natürlich (Pferde sind ja schließlich Fluchttiere) kontraproduktiv war. Als er das dann irgendwann auch eingesehen hatte, versuchte er es langsamer und fing sein Pferd mit einem Lasso wieder ein. Klar, coole Westernshow. Sonst war es aber ziemlich dämlich, vor allem als er dann mit seinem Pferd im Schlepptau wieder auf uns zugaloppierte, was wiederum unsere Pferde, die vorher schon unruhig geworden waren, natürlich nicht so toll fanden.

Es passierte nichts, sie waren ganz lieb, aber ich als eher ängstlicher Reiter hatte schon die Nerven blank. Zum Glück überstanden wir den restlichen Ritt ereignislos. So ereignislos sogar, dass mir am Ende wieder langweilig war.

Es stand also fest: diese Ausritte waren nichts für mich 😀 Aber das machte mir nicht viel aus, denn auf der Ranch gab es ja auch viel anderes zu tun. Meine Mutter machte weiter, machte bald auch noch längere Ausritte und durfte sogar mal schneller reiten 😀

Wofür ich die Zeit dort unbedingt nutzen wollte, war Bogenschießen. Es gab drei Bögen plus Pfeile, die man sich leihen konnte, und einen Trainingsbereich mit Strohballen und Papp-Kojoten als Schussziele. Vor allem am Anfang traf man die natürlich nicht unbedingt. Aber nach einer Weile und mit ein bisschen Übung wurden wir alle drei- na ja, vielleicht keine Profis, aber auf jeden Fall besser 😀

Mein Vater testete mal die Mountainbikes, aber die Reifen waren so dick, dass man kaum vorwärts kam und die Landschaft war eher karg und unspannend. Also relaxte er viel am Pool, genauso wie ich und – zwischen den Ausritten – auch meine Mutter. Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelesen 😀

Zwischendurch wanderte ich auch gerne einfach übers Gelände und machte noch mehr Fotos. Vor allem die Sonnenuntergänge waren beeindruckend, da ja nichts da war, was die Sicht störte.

An manchen Tagen fanden auch Lagerfeuer auf der Terrasse statt, zu denen manchmal gesungen wurde. Das war ziemlich cool und wir haben die Zeit auch genutzt, die anderen Gäste kennenzulernen: Iren, Schotten, Engländer und Amerikaner. Dabei erfuhren wir auch, dass wohl vor kurzem Bela B, Autor und Mitglied der deutschen Punkrock-Band die Ärzte, mit seiner Familie auf der Ranch zu Gast gewesen war. Wir wandelten also in berühmten Fußstapfen 😀

Bei einem Lagerfeuer nach dem Essen, das wie immer köstlich gewesen war, wurden wir Zuschauer einer kleinen Zeremonie, bei der das amerikanische Paar, das wohl schon zum wiederholten Mal auf der Ranch war, sein Ehegelübde erneuerte. Es war wirklich schön und außerdem gab es danach Kuchen! 😀

Einen Tag nutzten wir, um die Route 66 entlang nach Oatman zu fahren, einem Touristenort in der Nähe, der wirkte als wäre dort die Zeit stehengeblieben.

Tatsächlich war die Route 66 (oder zumindest dieser Teil davon) gar nicht so beeindruckend wie erwartet. Wäre da nicht die eine Raststätte am Straßenrand gewesen, bei der die Flagge gehisst war und wo zwei Autowracks vor sich hin rosteten, hätte es ein ganz normaler Highway sein können, wenn auch durch schöne Serpentinen geleitet.

Oatman hingegen war alles andere als normal 😀 Eine ehemalige Goldgräberstadt, die nun zur Touristenhochburg geworden war.

Es gibt praktisch nur Souvenirläden, eher zweifelhafte Imbisse und ein Mini-Museum zur Minenarbeit. Außerdem mehrmals täglich eine Aufführung auf der Hauptstraße (viele Seitenstraßen gibt es auch nicht) mit Cowboys, Pistolen und viel Geschrei 😀 Die Kulisse war aber natürlich fantastisch. Es wirkte echt so, als wäre man in einen alten Western gestolpert, in dem irritierend viele Esel mitspielten. Denn die gab es in Oatman wirklich überall – mitten auf der Straße liegend, an den überdachten Wegen den Schatten genießend, sogar im Eingang des einen oder anderen Shops. Natürlich nutzten das die Läden auch aus: an jeder Ecke gab es Futter zu kaufen, was die Tiere sehr zutraulich machte.

Und dann war unsere Zeit auf der Ranch auch schon wieder vorbei. Es ging wieder über die ewige Schotterpiste in Richtung Zivilisation, als meiner Mutter auffiel, dass der Tank nicht mehr so richtig gut gefüllt war. Aber so gar nicht.

Auf dem Highway angekommen sahen wir uns verzweifelt nach einer Tankstelle um, fuhren sogar einen kurzen Umweg in einen Ort hinein, nur um festzustellen, dass er aus drei Häusern bestand, von denen keins Benzin vertrieb. Die Reichweite-Anzeige jagte uns zusätzlich Angst ein, als sie von 30 Meilen plötzlich auf null sprang, wahrscheinlich weil es nicht mehr genau zu berechnen war. Ich googelte also schon völlig panisch ob ein Auto in die Luft gehen könnte wenn der Tank leer läuft (das logische Denken schaltet sich in solchen Situation ja gerne mal ab), als wir endlich und wirklich auf den letzten Tropfen auf einen Rastplatz mit Tankstelle einfuhren.

Hier also ein Tipp solltet ihr auch mal mitten im Nirgendwo unterwegs sein: achtet darauf, dass ihr noch genug Benzin im Tank habt, um zurück ins Irgendwo zu kommen 😉

Unser letztes Ziel war San Diego, bevor wir von LA aus wieder zurückfliegen würden, und wir kamen abends perfekt zum Sonnenuntergang an.

Unser Hotel lag direkt an der Strandpromenade und natürlich machten wir direkt noch einen Spaziergang an den Bars, Restaurants und dem Pazifischen Ozean entlang.

Es war eine wunderschöne Atmosphäre. Der Baustil war mediterran und überall standen Palmen, viele davon mit Lichterketten geschmückt, aus den Bars kam verschiedenste Musik, unterlegt vom Rauschen des Meeres.

Wir suchten uns eine Rooftop-Bar aus, wo wir also auf dem Dach sitzen konnten und einen tollen Ausblick hatten, gönnten uns dort verdammt gute Tacos (man merkt mal wieder die Nähe zur mexikanischen Grenze 😀 ) und tranken dazu passend Margaritas und typisches Bier.

Am nächsten Morgen spazierten wir wieder die Promenade entlang, dieses Mal bis zum Pier. Darauf waren auch Ferienhäuser gebaut – was für eine tolle Lage! Vom Ende des Piers aus beobachtete ich die Surfer, die ein Stück weit raus auf dem Wasser auf gute Wellen warteten.

Ich hätte ewig zugucken können, es hat echt Spaß gemacht, aber langsam meldete sich doch der leere Magen. Am Abend zuvor hatten wir eine bunte Bude entdeckt, bei der es neben tollen Säften und Smoothies auch Breakfast-Burritos und Bowls mit Müsli, Joghurt und frischen Früchten gab. Wir frühstückten dort in der Sonne und mit Blick auf den Ozean wie Könige 😀

Klar, dass wir das Großstadtflair auch ein bisschen zum Shoppen nutzten 😉 Allerdings verschwendeten wir keine Zeit dazu, in die Innenstadt zu fahren, sondern blieben in Strandnähe, wo es genug tolle Läden gab. Viele davon natürlich touristisch, aber wir brauchten ja sowieso auch das obligatorische Wir-waren-hier-T-Shirt 😀

Nachdem wir durch alle Läden zweimal durch waren und sich dann endlich alle von uns (Seitenblick zu meinem Vater) für etwas entschieden hatten, war es schon wieder ganz schön warm und uns nach einer Pause zumute. Wir landeten in einer schicken Strandbar mit einer riesigen Auswahl an Margaritas und einem Sonderangebot für Jumbo-Portionen. Eventuell sind wir da ein bisschen versackt 😀

Nach dieser ausgiebigen Erholungspause schmissen wir uns in die Wellen – leider nicht mit einem Brett unter den Füßen 😉 – und entspannten am Strand liegend noch ein wenig weiter.

Zum Abendessen hatten wir eine Reservierung in einem Fischrestaurant (wie es sich an der Küste eben gehört 😀 ) und es war absolut köstlich! Der Tag endete wieder mit einem wunderschönen Sonnenuntergang, was den Kreis unserer Zeit in San Diego perfekt schloss.

Am nächsten Morgen ging es schon früh nach LA, von wo wir zurückflogen – diesmal ohne Zwischenstopp und alle zusammen. Ich habe wieder drei Filme geschafft, einen Klassiker (Ferris macht blau) und zwei, die ich schon länger hatte sehen wollen, es aber nie geschafft hatte (Tolkien, Der Junge muss an die frische Luft). Wieder eine klare Empfehlung für alle davon! 😀

Es ist ein wirklich toller Urlaub gewesen, mit viel Abenteuer, Naturspektakeln und neuen Eindrücken (und außerdem 58 neuen Lippenpflegestiften), an den ich nur zu gerne zurückdenke.

Bis bald,
eure Chiara

2 Gedanken zu „Wir spielen Cowboy und Indianer: Rundreise durch den Südwesten der USA – Part 2

  1. Wieder ein sehr schöner Bericht…….und wieder erkennbare Erlebnisse! In Moab waren wir auch und der Sonnenuntergang im Arches ist magisch (und voll….)
    Danke für deinen Bericht! Ihr hattet wirklich eine tolle Reise!!!
    (Frage: was machst du nur mit den ganzen Pflegestifte???)

  2. Hi Inge!
    Vielen Dank 🙂
    Es war wirklich wunderschön, kannst du ja bestimmt gut nachvollziehen 😁
    Die Pflegestifte habe ich irgendwann mal zu sammeln angefangen, weil ich mich nicht zwischen den Sorten entscheiden konnte 😅

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