Unter den Wolken muss die Freiheit grenzenlos sein

Hi zusammen,

heute nehme ich Euch mal mit auf ein Abenteuer, auf etwas, was Eure Perspektive verändert…und das Beste daran, ihr könnt es auch erleben, es ist umweltfreundlich, ursprünglich, gar nicht mal so teuer und man trifft tolle Menschen dabei. Habt ihr schon mal in einem Segelflugzeug gesessen? Das ist wirklich ein tolle Erlebnis.

Ich habe schon einige Flüge hinter mir und es immer oft (Thermik kann für einen untrainierten Magen schon mal…nun ja ) meistens genossen ;). Wie auf Schienen verlief allerdings mein letztes Silvesterfliegen. Dafür war ich bei den Mädels und Jungs des LSV Grenzland im Grefrath zu Gast. Erst habe ich am Boden mit den Pilotinnen und Piloten gefachsimpelt und einige Fotos der Flugzeuge gemacht.

Die meisten Flugzeuge strahlen ja eine gewisse Eleganz aus, bei Segelflugzeugen gilt das erst Recht. Um einen guten Gleitwert zu erzielen müssen sie sehr aerodynamisch sein und weisen oft eine große Flügelspannweite auf. Dadurch wirken sie sehr grazil und anmutig. Um mit einem Segelflugzeug zu fliegen braucht es Aufwinde, die man dann geschickt nutzt um Höhe zu gewinnen und dann im Gleitflug „Strecke zu machen“ bis zum nächsten Aufwind. Beim meinem Flug an Silvester war allerdings nicht viel Thermik vorhanden. Das führte zu einem kurzen, aber extrem ruhigen und angenehmen Flug. Ich habe vor einiger Zeit mal in einem Segelkunstflugzeug gesessen und muss sagen, nach eigen Rollen und Loopings war ich dann auch froh, wieder am Boden zu sein ;).

Aber, erstmal müssen wir ja in die Luft. Beim Segelfliegen gibt es dafür zwei Hauptmöglichkeiten, man muss kreativ werden, die Teile haben ja keinen Motor. Glücklicherweise gibt es ja Flugzeuge mit Motor, also könnte es doch eine schlaue Idee sein, das Segelflug hinten dran zu hängen. Das Ganze nennt sich dann F-Schlepp, also Flugzeugschlepp, und wird tatsächlich genau so praktiziert.

Der Vorteil ist, dass man überall ausklinken kann und so sehr flexibel ist, was den eigentlichen Startpunkt des Segelfluges angeht. Der Nachteil ist die Tatsache, dass so ein Start natürlich nicht ganz billig ist, man braucht ja ein zweites Flugzeug und natürlich Sprit. Eine Alternative dazu ist der Windenstart. Dazu wird das Segelflug an einem Seil befestigt, an dessen anderem Ende eine große Winde ist, die sich dann sehr schnell dreht und das Seil aufwickelt. Dadurch steigt das Flugzeug dann in die Luft. Am Scheitelpunkt fällt das Seil dann aus der Öse am Flieger und gleitet an einem Fallschirm zurück zum Boden. Günstiger, aber eben auch nicht so flexibel.

Und dann hieß es für mich „Ready for takeoff“. Mein Pilot erklärte mir, noch neben dem Flugzeug, wie das Cockpitdach aufgeht, wie ich meinen Fallschirm anlegen muss und was ich wann wo bitte auf keinen Fall anfassen soll. Im Vergleich zu einem Airliner ist ein Segelfugzeugcockpit natürlich recht spartanisch, aber die elementaren Instrumente sind auch hier an Bord. Der Höhenmesser, Geschwindigkeit und das Variometer, also die Anzeige ob man steigt oder sinkt…und wie schnell das passiert. Ich nahm also hinter dem Piloten Platz und nachdem die Haube sich über meinem Kopf schloss, wurde die Umgebung leiser und ich begann mich auf mich selbst zu konzentrieren. Und dann ging es los, mit einem F-Schlepp in den Himmel. Direkt hinter dem anderen Flugzeug ruckelte und bockte es ganz schön und ich überlegte schon, wie sinnvoll das üppige Weihnachtsmenue gewesen ist, als wir die gewünschte Höhe erreicht hatten und sich das Schleppseil mit einem Ruck löste.

Und dann Leute, dann ist es purer Genuss. Man hört das Rauschen des Windes, hat einen unglaublichen Blick und fühlt sich tatsächlich ein stückweit schwerelos. Ein wirklich tolles Gefühl.

Ab und an ein paar erklärende Worte von vorn und ansonsten Genuss. Da der Doppelsitzer mit zwei identischen Steureinheiten ausgerüstet ist, meine Füße ohne Druck auf den Pedalen ruhen und ich den Steuerknüppel vor mir habe, kann ich die Steuerbefehle sehen und spüren und merke, wie sich der Flieger im Raum bewegt, wirklich spannend.

In Kurven und beim Steigen und Sinken merkt man die G-Kräfte, nur sanft, aber sie sind da, drücken einen in den Sitz oder heben einen leicht heraus. Der Wind strömt am Flugzeug vorbei, die Flächen bewegen sich leicht. Man ist so verdammt nah dran an den Elementen, durch die Rundumkanzel ist der Blick und das Fluggefühl in keinster Weise mit dem Flug in einem Urlaubsflieger zu vergleichen.

Nach einigen Kurven und tollen Ausblicken ging es dann zurück in Richtung Flugplatz. Kurz vor den Landung fuhr der Pilot große Störklappen in den Tragflächen aus um die Strömung über der Fläche zu stören und so abzubremsen und die Landung einzuleiten. Selbige war dann wenige Sekunden später butterweich und schon rumpelten wir über die Wiese. Mit ein wenig Hilfe kam ich dann auch wieder aus dem Flieger ;).

Wenn man als Gast, und das geht auch in Krefeld am Egelsberg, mitfliegt, kann man nach dem Flug gehen, sollte man sich dafür entschließen, einem Luftsportverein beizutreten und das mit den Flugzeugen so richtig zu lernen, dann ist das ein Teamsport. Die Flieger werden zusammen aufgerüstet und auch wieder abgebaut, es gibt Startleiter, Fluglehrer, Windenfahrer, Schlepppiloten und noch so viel mehr. Das Ganze ist ein toller, aber recht zeitintensiver Sport. Der erste Alleinflug, die Aussichten und das Erlebnis des Fluges sind es aber auf jeden Fall wert, genauso wie die Kameradschaft und der Zusammenhalt. Also Leute, schaut doch einfach mal bei Eurem Flugplatz in der Nähe vorbei, meist am Wochenende findet ihr da bestimmt Segelflieger, fasst Euch ein Herz und sprecht die Leute an. Ist ein nettes Völkchen, ihr sitzt schneller in einem Flugzeug, als ihr „Ich weiß nicht so recht“ sagen könnt. Ich kann Euch nur aus ganzem Herzen empfehlen…macht das!

Ich hab Euch hier mal die Kontaktadressen rausgesucht. Einmal Grefrath, einfach weil es nah dran ist und ich dort mitfliegen durften 😉 und natürlich hier vor Ort, unseren Egelsberg. Schaut rein, habt Spaß…

Und zum Schluss gebe ich Euch noch zwei Sätze mit, die mir ein Pilot gesagt hat:

Es gibt alte und mutige Piloten, aber keine alten und mutigen Piloten.

Gute Piloten haben die gleichen Anzahl an Landungen wie an Starts.

In diesem Sinne, viel Spaß und many happy landings

Euer Martin

 

4 Gedanken zu „Unter den Wolken muss die Freiheit grenzenlos sein

  1. Hallo liebe Mediothek,

    vielen Dank für diesen tollen Beitrag über unser einzigartiges Hobby. Es gibt noch einen wichtigen Merksatz für Piloten:

    Wenn Du anfängst zu fliegen, gibt der Herr Dir zwei Koffer. Auf dem einen steht „Erfahrung“ – der ist leer. Und auf dem anderen steht „Glück“ – und der ist voll. Wenn Du alt bist und Deine Lizenz abgeben musst: achte darauf, dass der Glückskoffer nicht leer und der Erfahrungskoffer ganz voll ist.

    Und noch was: an unseren Sportplätzen (= Flugplatz) stehen immer Warnschilder. Die brauchen wir, weil es für Unerfahrene in der Tat gefährlich werden kann. Dennoch freuen wir uns sehr über Besucher. Zur Not: einfach mal auf den Turm gehen und fragen, ob/wie man denn zum Segelflugstart kommt.

    Gruß
    Torsten (von den Grefrather Segelfliegern)

    1. Hi Torsten,

      danke fürs Feedback ;). Klar, wild über den Flugplatz laufen sollte natürlich niemand…. aber einfach mal jemanden auf dem Flugplatz ansprechen, dann passt das schon. Dir natürlich auch, allzeit „Happy Landing“.

    2. Irgendwie kann ich die Anmerkung gut verstehen und dennoch wundere ich mich über solche Appelle immer wieder. Wenn ich irgendwo eingeladen bin benehme ich mich doch auch so und geh nicht ungebeten in den Keller oder das Schlafzimmer. Wir machen in ESS Flughafenführungen und immer mal wieder kommt es vor, dass man(n)/frau trotz Bitten einfach unkontrolliert aufs Vorfeld marschieren. So etwas macht man nicht, es ist auch noch gefährlich.
      Lieber Martin schöner Bericht! Danke für den virtuellen Mitflug.

  2. Hat dies auf Rückenwind rebloggt und kommentierte:

    Hallo Leute,

    heute mal wieder etwas so ganz ohne Fahrrad. Ich habe für den Blog der Mediothek mal über einen Mitflug in einem Segelflugzeug in Grefrath geschrieben. Schaut mal rein, ist eine wundervolle Sache und ich kann es nur jedem ans Herz legen, mal einen Segelflug zu machen.

    Euer Martin

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