Madeira – Blumen, Meer und mehr

Als Heuschnupfen-Geplagte will ich jedes Jahr aufs Neue der Hauptzeit des frühlingshaften Pollenmeeres entfliehen. In diesem Jahr habe ich es tatsächlich fast rechtzeitig geschafft. So genau kann man das ja leider nicht immer planen. Den Urlaub legen wir in der Mediothek jedenfalls schon immer so früh fest, da weiß der Frühling meist selbst noch nicht, dass es ihn überhaupt gibt, geschweige denn, wann er loslegen will. 😉
Es sollte in diesem Frühjahr also irgendwohin gehen, wo es weitestgehend pollenfrei und, wenn möglich, schon ein bisschen wärmer als in der Heimat wäre. Etwas Neues sollte es sein, wo man sowohl aktiv als auch kulturell etwas erleben könnte. Aber im Vordergrund stand definitiv: muss gut für die Lunge sein!
Auf Madeira bin ich – übrigens gänzlich unbezahlt und unbeauftragt – einfach wegen der Sissi-Filme gekommen 😉 Ich hatte im Hinterkopf, wie Romy Schneider in einem der drei Teile vor herrlicher Madeira-Kulisse auf einem Balkon steht, weil die Kaiserin dort wohl mal zur Kur gewesen war. Ich schloss daraus, dass es demnach da doch sicher gute Luft geben würde.
Also plante ich im Januar mit meinem Mann gemeinsam unsere – man höre und staune – allererste Pauschalreise. Gut, wir haben das jetzt nicht so gemacht, wie ich mir die Buchung einer Pauschalreise immer vorgestellt hatte: nämlich ins Reisebüro gehen und mit einem fertigen Reise-Paket wieder nach Hause kommen. Wir saßen einfach ganz bequem am heimischen Rechner und haben das dann im Internet bewerkstelligt.
Soweit, so gut.
Der erste Haken kam dann knapp zwei Wochen vor Reisebeginn, als uns der Veranstalter mitteilte, dass wir unser Wunschhotel an der Südwestküste Madeiras leider nicht beziehen könnten, da dieses nicht wie geplant öffnen würde. Wir wurden umgebucht auf ein Hotel an der Südostküste. Na gut, kennen wir nicht, können wir also auch nicht vergleichen, also ok, sagten mein Mann und ich.
Außerdem erfuhr ich von meinem Kollegen Martin – ein echter Flugzeug-Experte -, dass der Flughafen von Madeira einer der am schwierigsten anzufliegende Flughafen weltweit sei. Piloten müssten hierfür ein paar Extra-Flugstunden absolvieren. Na gut, ich habe jetzt gottseidank keine Flugangst, wird schon werden, dachte ich mir.
Und dann kam noch der Wetterbericht, der für den Niederrhein eine gut zweiwöchige Hitzeperiode vorhersagte und für Madeira demgegenüber kühle 17 Grad Höchsttemperatur.
Aber das mit dem „pollenfrei“, das zählt, sagte ich mir.
Nun ja, wir waren ja zuvor noch nicht da gewesen, hatten demnach auch eigentlich keine wirklichen Erwartungen, sondern wollten es einfach mal auf uns zukommen lassen. So haben wir das gemacht. Und was soll ich sagen? Ich nehme es mal vorweg: Es war trotz kühlerer Temperaturen und trotz des geänderten Hotels eine rundum gelungene Reise!

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Madeira bietet eine florale Vielfalt, die man in den Reiseführern oder Bildbänden, die ich mir natürlich aus der Mediothek entliehen hatte, tatsächlich nur erahnen kann. Wenn man sie mit eigenen Augen sieht und mit der eigenen Nase riecht, dann ist das eine visuelle und olfaktorische Explosion! Süßer Akazienduft mit würzigem Lorbeer im Wechsel, dazu gelber Ginster und blaue Bäume, Pflanzen mit bizarren Formen, bodendeckende Sukkulenten: hier lässt die Vielfalt und Genialität der Natur einen ehrfürchtig staunen.

 

 


Und das Schönste: Obwohl quasi Frühling herrscht, hatte meine Allergie einfach Pause!
Unsere Unterkunft unmittelbar am Atlantik bot herrliches Meeresrauschen, leichte Brise und, wenn man gute Augen hat oder einen Feldstecher, den Blick auf vorbeiziehende Delphin-Schwärme, die das vorgelagerte Riff nach Nahrung absuchen.

Lava formte über Jahrtausende die bis zu 1800 m hohe Gebirgskette, die das Landesinnere von Madeira bestimmt. Es gibt nur wenige ebene Flächen, so dass vieles Landwirtschaftliche auf terrassiertem Gelände angebaut wird. So finden sich Bananen-, Gemüse- und Weinfelder überwiegend in Hanglagen oder an nur mittels Seilbahn zugänglichen Küstenabschnitten.

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Aufgrund der Größe – oder sollte ich besser Kleine sagen? – der Insel hat man das Straßennetz so effizient wie möglich gehalten. Das bedeutet dann auch, dass man sehr häufig mit steilen Straßen rechnen muss, die vor allem beim Abbiegen quasi ins „Nichts“ ( 20%ige Gefälle sind hier keine Seltenheit) auch Ansprüchen von Abenteuerurlaubern genügen dürften. Und was haben wir noch gelacht, als die freundliche Mitarbeiterin der Autovermietung fragte, ob unsere Versicherung denn auch Schäden wie z.B. Zerstörung von fremden Vorgärten bezahlen würde. Kann hier tatsächlich leicht passieren!

Wandern kann man auf Madeira ganz hervorragend…eigentlich. Wir hatten jetzt aufgrund der Wetterlage leider ein wenig Pech, aber das hat in uns den Vorsatz reifen lassen noch einmal wieder zu kommen, um das noch nicht Gesehene zu erforschen.

 

Immerhin haben wir die Südostspitze der Insel erwandert und eine Wanderung – auch trotz des Nebels – im Landesinneren vollzogen. Leider kann ich hier nicht schreiben, ob der Ausblick wirklich der gewesen wäre, den der Reiseführer anpries. Wir haben einfach nur weiß gesehen 😉

Aber eine Wanderung entlang einer Levada entschädigte uns dann mir diesem atemberaubenden Ausblick auf die Nordküste:

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Levadas sind das Bewässerungssystem der Insel. Auf Bodenniveau verlaufende Kanäle ziehen sich wie ein Netz über die gesamte Insel. Daneben wandert man dann auf Wegen, die immer wieder auch die steilen Anstiege mittels Treppen überwinden. Wer also auf Madeira Urlaub macht, sollte keine Knieprobleme haben und sowieso ganz gut zu Fuß sein. Zur Belohnung gibt es dann nach körperlicher Anstrengung leckere ortstypische Speisen wie das mit Knoblauchbutter bestrichene Fladenbrot, das man auch gelegentlich am Straßenrand erwerben kann, oder köstliche Gemüsesuppen.

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Diese doch relativ kleine Insel präsentiert sich unglaublich vielfältig. Was natürlich sicher auch damit zusammen hängt, dass es hier binnen kürzester Distanzen unterschiedliche Witterungsverhältnisse gibt. So ist der Norden beispielsweise stark geprägt vom ankommenden Passatwind. Der Süden ist da eher sonnenbegünstigt – vor allem je weiter man nach Westen kommt,  da steigern sich die Temperaturen innerhalb weniger Kilometer um mehrere Grade.
Madeira hält daher viele überraschende Küstenblicke bereit.

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Außerdem gibt es entlang der Küste kleine Ortschaften, die es lohnt sich anzusehen und dort zumindest einen kleinen Kaffee – Bica genannt – zu trinken und die Atmosphäre zu genießen.
Und, obwohl die Orte auf Madeira bis auf die Hauptstadt alle recht klein sind, habe ich  tatsächlich auch eine Bibliothek gefunden. 😉

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In Machico, dem Landungspunkt der ersten portugiesischen Siedler Madeiras, zeigt sich noch viel vom ursprünglichen Charme. Mit einer gut erhaltenen Verteidigungsanlage, Kopfsteinpflaster, schmalen Gassen und einer sehr schönen Kirche wird das 15. Jahrhundert nochmal richtig lebendig, vor allem, wenn man das Glück hat – wie uns geschehen -, dass gerade ein Mittelaltermarkt stattfindet.

Am beschaulichen Hafengelände kann man eine Statue, die die Inbesitznahme Madeiras durch die Portugiesen darstellen soll, besichtigen. Nette Geschichte am Rande: Die Ankunft der Portugiesen ist sehr genau datierbar hinsichtlich des Tages – dies geschah am 2.Juli – leider ist die Geschichtsschreibung hinsichtlich des Jahres nicht so genau. Ob dies 1419 oder 1420 war, ist tatsächlich strittig.

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Im Norden der Insel kann man bei der Besichtigung unterirdischer erkalteter Lavaströme in einem Tunnelsystem etwas über die Entstehungsgeschichte dieses Archipels lernen. Und nicht nur das! Ich habe zudem gelernt, dass das gesprochene Portugiesisch aber mal so gar nichts mit dem geschriebenen zu tun hat. 😉 Gerade wird in diesem natürlichen Tunnelsystem mit der Lagerung und Reifung von weißem Madeirawein experimentiert. Ich bin gespannt, was dabei raus kommt!

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Und dann gibt es natürlich noch die Hauptstadt Funchal, die besichtigt werden muss mit botanischen Gärten, mediterranem Flair und einem schicken Hafengelände.

Hier liegt dann auch eine naturgetreue Nachbildung der Santa Maria. Mit dem Original hat Christoph Kolumbus seine Überfahrt nach Amerika angetreten. Zweimal täglich kann man mit ihr hier für ein paar Stunden in See stechen. Für mich sah sie sehr nach Nussschale aus und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie man damit den Ozean überqueren will.

SantaMaria

 

Nicht zu vergessen ist auch die sehr beeindruckende Seilbahn.
Sie führt hinauf ins oberhalb von Funchal gelegene Örtchen Monte. Hier kann man eine einzigartige Korb-Schlittenfahrt machen – oder auch einfach nur anderen dabei zu sehen, wie ich es bei einem Gläschen Madeira-Wein gemacht habe. Auf geseiften Holzkufen fahren die Schlitten bergab, gelenkt von zwei „Piloten“ im Stile der venezianischen Gondoliere.

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Und auch eine Christus-Statue – ähnlich der in Rio de Janeiro – nennt Madeira ihr Eigen. In Ponta do Garajau steht sie auf einem Felsvorsprung und blickt seelenruhig auf den Atlantik.

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Alles in allem habe ich nach meiner 10tägigen Reise nun das Gefühl, einen ersten Überblick über diese wunderschöne Insel erhalten zu haben. Auf jeden Fall habe ich  Lust auf eine intensivere Erkundung bekommen.

Beim nächsten Mal wünsche ich mir dann passendes Wetter für die Erwanderung der mir diesmal verwehrt gebliebenen Picos – wie hier die Gipfel genannt werden.
Um ein wenig Urlaubsgefühl mit nach Hause zu nehmen, habe ich mir vor Ort dann ein paar Blumensamen gekauft, die ich versuchen werde im nächsten Frühjahr dann für die heimische Terrasse zu kultivieren.

Mal sehen, ob das was wird…;-)
Eure Bettina

4 Gedanken zu „Madeira – Blumen, Meer und mehr

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