Michel Bergmann – Herr Klee und Herr Feld

Moritz und Alfred Kleefeld, beide gut über 70 Jahre alt, sind zwei jüdische Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine ist emeritierter Psychologie-Professor und verwitwet, der andere ehemaliger Schauspieler und Lebemann, dem Geld und Ruhm abhandengekommen sind. Deshalb sieht er sich gezwungen, bei seinem Bruder in dessen herrschaftlicher Villa in Frankfurt Unterschlupf und neue Bleibe zu suchen. Seinen Eigensinn und seine Streitlust hat er allerdings nicht verloren, weshalb es zwischen den Brüdern immer wieder zu Reibereien kommt, die den beiden auch ein Stück weit festes Ritual und Lebenselixier zu sein scheinen.

Zwischen all dem steht die Haushälterin. Zunächst ist dies Frau Stöcklein, die zwar jahrzehntelang den Professorenhaushalt umsorgt hat, nun aber mit den veränderten Gegebenheiten nicht mehr zurechtkommt und kurzerhand kündigt.

Beide Brüder – unfähig einen Haushalt zu führen – suchen also eine neue Hilfe.

Sie finden Zamira Latif, eine junge in Hebron geborene Frau. Nach erstem Argwohn, sie könne eine palästinensische Spionin sein, überwiegt die Sympathie – nicht zuletzt wegen ihres umwerfenden Äußeren – und sie erhält die Stelle.

Den Konflikten der beiden Brüder gesellt sich nun das Konfliktpotential der jüdisch-israelischen und muslimisch-palästinensischen Sicht hinzu.

Zamira ist dank ihrer Willensstärke dem Geplänkel der beiden Männer durchaus gewachsen und schafft es, sich zu behaupten: So trennt sie beispielsweise kurzerhand beide Brüder in „Herr Klee“ und „Herr Feld“, um zusätzliche Verwirrung bei der Kommunikation zu vermeiden. Und die Männer? Die lassen sich nicht nur darauf ein, sondern lernen durch Zamira auch wieder menschlich zueinander zu finden.

Was auf der Weltbühne noch nicht erreicht ist, wird in diesem Buch quasi stellvertretend vollzogen: Diese Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten vereinen sich zu einer Lebensgemeinschaft und finden aneinander Heimat.

 

Was für ein schönes Buch! Klug, witzig, herzerfrischend, mit Tiefgang!

Ich habe es regelrecht verschlungen und mich dabei sehr über den wunderbaren Humor gefreut, mit dem es geschrieben ist.

Und obwohl es sich hier um den letzten Band der Steilacher-Trilogie handelt und ich nur diesen gelesen habe, funktioniert er – meiner Meinung nach – auch gut, ohne dass man zwangsläufig „Die Teilacher“ (Band 1) und „Machloikes“(Band 2) zuvor gelesen haben muss.

Also, viel Spaß beim Lesen!

Eure Bettina

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