„Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“

Ich muss ja zugeben, ich bin ein Fan von Filmen nach wahren Geschichten. Ich finde das macht das Erlebnis einfach bewegender und man versucht sich noch mehr, in die Charaktere einzufinden, auch wenn es manchmal wehtut – vor allem bei diesem Film.

Trotzdem finde ich ihn wunderschön und auch wichtig, weswegen ich ihn euch jetzt davon berichten werde – natürlich wie immer unbezahlt und unbeauftragt.

Es geht um die drei afroamerikanischen Frauen Dorothy Vaughan, Katherine Johnson und Mary Jackson, die als Mathematikerinnen im Langley Memorial Aeronautical Laboratory der NACA arbeiten, die später zur NASA wird. Doch wir schreiben die frühen 60er Jahre – noch vor dem Civil Rights Act, der die Rassentrennung in den USA zumindest juristisch aufheben wird – und ihre Hautfarbe schränkt ihre Karriere gehörig ein.

In der von weißen Männern dominierten Welt der Raumfahrt, in der Frauen schon generell als Computer im Rock bezeichnet werden, bringt man der kleinen Gruppe sogenannter Farbiger Computer gar keinen Respekt entgegen. Aber – wie Dorothy sagt – immerhin haben sie Arbeit.

Und so verteilt sie als inoffizielle Leiterin der West Area Computing Unit, der seit 1943 bestehenden Gruppe afroamerikanischer Mathematikerinnen, jeden Tag die anfallenden Arbeiten, bei denen andere Abteilungen der NACA Hilfe mit Berechnungen brauchen. Die begabten Frauen sind nämlich praktisch unentbehrlich, man möchte ihnen aber trotzdem keinen festen Job in den Abteilungen anbieten. Allein diese himmelschreiende Ungerechtigkeit macht mich schon wahnsinnig.

Doch dann bietet sich jeder unserer drei Hauptcharakteren eine Gelegenheit, aufzusteigen, die sie zielstrebig verfolgen:

Zum einen ist da Mary, die in eine Abteilung versetzt wird, die Raumkapseln entwickelt. Sie macht ihre Arbeit dort so gut, dass ein Kollege sagt, da sie wie eine Ingenieurin denke, sollte sie auch eine sein. Doch als Mary sich auf eine entsprechende Stelle bewirbt, muss sie feststellen, dass sie dafür eine Zusatzausbildung bräuchte, die keine Hochschule in Virginia für Afroamerikaner anbietet. Anstatt sich davon entmutigen zu lassen, zieht Mary vor Gericht und klagt ein, dass sie die Kurse trotzdem besuchen darf. Ein geschichtsträchtiger Moment.

Dorothy, die in der West Area Computer Group mangels eines Supervisors schon lange die Aufgaben dieser Stelle übernommen hat, bleibt tatsächliche Beförderung verwehrt. Durch einen glücklichen Zufall bekommt sie mit, dass ein großer Computer angeliefert wird – und wir reden hier nicht von ‚etwas größer als ein Laptop‘. Wir sind in den 60ern und die damalige Technologie arbeitet noch mit Lochkarten und war so groß, dass die Tür spontan mit einem Vorschlaghammer geweitet werden musste. Dementsprechend anspruchsvoll schien auch die Bedienung des Geräts zu sein, denn keiner der mit der Einarbeitung betrauten Techniker konnte dem Computer Ergebnisse entlocken.

Dorothy hingegen, der klar ist, dass der Computer, sofern er denn mal in Betrieb ist, den Mathematikerinnen schnell die Arbeit streitig machen wird, lernt heimlich die Computersprache Fortran und bringt sie auch “ihren“ Frauen in der West Area Computing Group bei.

Als sie sich abends außerdem in den Computerraum schleicht, studiert sie die spezifischen Handbücher und bessert einen Anschluss aus, was dazu führt, dass sie die Maschine letztlich in Gang setzt. Aufgrund dessen und ihrer allgemein guten EDV-Kenntnisse wird Dorothy schließlich die Supervisor-Stelle einer neuen Abteilung angeboten, die den Rechner mit Daten füttern soll. Diese nimmt sie jedoch erst an, als klar ist, dass sie auch die Frauen aus der West Area Computing Group mitnehmen darf.

Und dann ist da noch Katherine, ein wahres Wunderkind. Schon mit 14 Jahren, nachdem sie zwei Klassen übersprungen hat, bekommt sie ein Stipendium für das West Virginia College, wo sie neben Französisch höhere Mathematik studiert und das Studium vier Jahre später mit Auszeichnungen abschließt.

Kein Wunder also, dass sie eine der gefragtesten Mathematikerinnen der West Area Computing Group ist. Zu Beginn des Films wird sie in die Space Task Group versetzt, wo die Bahnen für den Flug eines Menschen ins All berechnet werden. Obwohl sie von ihren weißen und überwiegend männlichen Kollegen eher widerwillig aufgenommen wird (und sie sich noch nicht mal den Kaffee aus der gleichen Kanne nehmen darf), bemüht sie sich, ihre Arbeit bestmöglich zu machen. Selbst als ihr Paul Stafford, der sich auf den Schlips getreten fühlt, da sie seine Berechnungen kontrollieren soll, nur Unterlagen weiterreicht, in denen viele wichtige Daten geschwärzt sind, da es sich angeblich um geheime Daten handeln soll, lässt sie sich davon nicht lange aufhalten, sondern stellt fest, dass sie alles lesen kann, wenn sie die Blätter gegen das Licht hält.

Als Stafford davon Wind bekommt und Katherine als Spionin verdächtigt, wird der Chef der Abteilung, Al Harrison, auf sie aufmerksam. Entgegen der anderen Mitarbeiter respektiert er Katherine für ihre gute Arbeit, was dazu beiträgt, dass ihr Selbstvertrauen langsam wächst.

Als Harrison jedoch auffällt, dass Katherine jeden Tag lange Abwesenheiten hat, und er ihr dies vorwirft, beklagt sie sich zum ersten Mal über die schlechten Bedingungen unter denen sie arbeiten muss. Die Abwesenheiten rühren nämlich daher, dass es in dem Gebäude keine Toilette für farbige Frauen gibt, und sie täglich zu ihrer alten Arbeitsstätte quer über den Campus laufen, ja rennen muss, denn mit dem vorgeschriebenen Rock kann sie keines der Fahrräder nutzen. Als sie am nächsten Tag zur Arbeit kommt, schlägt Harrison selbst das Schild an einer der Toiletten ab und erklärt, dass sie nun von allen Mitarbeitern gleichermaßen genutzt werden können.

Trotz dieser bewegenden Szene muss Katherine noch einige Hindernisse überwinden. Als die Space Task Group die Erdumkreisung durch John Glenn plant, ändern sich die Flugdaten ständig, wodurch Katherine dank ihrer niedrigen Sicherheitseinstufung jedes Mal zu spät erfährt um ihre Berechnungen anzugleichen. Doch durch ihre Hartnäckigkeit erreicht sie, dass sie als erste Frau an einem wichtigen Briefing teilnehmen darf, bei dem sie auf alle Beteiligten (außer natürlich Stafford) großen Eindruck macht. Vor allem John Glenn selbst schätzt ihre Kompetenz und bringt zum Ausdruck, dass er ihren Berechnungen völlig vertraut.

So sehr sogar, dass er, als der Computer, den Dorothy ja zwischenzeitlich in Gang bekommen hat, kurz vor Start der Rakete widersprüchliche Zahlen liefert, verlangt, dass Katherine sie nachprüft. Sonst würde er nicht in die Kapsel steigen.

Diese beeilt sich, die Zahlen manuell zu prüfen und im Kontrollzentrum abzugeben, wo sie dann dank Harrison auch den Flug miterleben darf. Dort gibt es nochmal ein paar Momente Nervenflattern als sich bei Wiedereintritt in die Atmosphäre ein Feuerball um die Kapsel bildet und die Funkverbindung abbricht, doch glücklicherweise geht alles gut.

Ich bin ein sehr emotionaler Filmeschauer und habe an mehr als einer Stelle ein Tränchen vergossen, aber wer kann es mir verübeln? Die Geschichte dieser starken Frauen (Katherine, Dorothy und Mary im Vordergrund), die entgegen aller Vorurteile und Widrigkeiten für ihre Karriere kämpfen – und siegen! Wie kann man davon nicht berührt sein?

Ich finde es auch wahnsinnig wichtig, dass die Geschichte erzählt wird, vor allem da sie vielen noch unbekannt war. Selbst die Hauptdarsteller*innen gaben zu, noch nicht davon gehört zu haben, so dachte Viola Davis, die Dorothy verkörpert, zuerst, dass die Handlung Fiktion sei.

Insgesamt also ein bedeutsamer, bewegender Film, den ich nur empfehlen kann!

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