Keine Rezension: Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel

Wie versprochen gibt’s von mir ab jetzt hin und wieder „Keine Rezension“. Wer sich fragt, was das nun wieder ist und warum ich nicht einfach eine Rezension schreibe, schaut einfach mal kurz hier vorbei: https://mediothek.blog/2018/08/03/warum-ich-keine-rezension-schreibe/ .

Heute möchte ich ein Buch vorstellen, dass mich sowohl begeistert, gefesselt, verschreckt, gelangweilt und zum Lachen gebracht hat.

Das Buch ist mir, wie es so oft passiert, bei der Arbeit in die Hände gefallen. Nun denkt man sich vielleicht: bei dem Beruf passiert das ständig. Das stimmt auch und am liebsten würde ich alle Bücher der Welt lesen, aber das führt hier zu weit…

Nun muss ich zugeben, dass ich wirklich total auf Buchcover anspringe (man sollte ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen, aber umgekehrt, ein Buch lesen, weil man das Cover gut findet, ist schon ok 😉 ). Bei diesem Buch war es definitiv der Titel und das Bild, was mich gereizt hatte (und vielleicht die Tatsache, dass es bei uns unter Science-Fiction im Regal zu finden ist). Der Klappentext klingt interessant, also habe ich das Buch ausgeliehen.

Ich erzähle einfach erstmal kurz worum es geht:

Die Welt, wie wir sie heute kennen bricht zusammen. Ein Virus rottet 99% der Menschheit aus und all der Luxus, den Wir haben – Strom, fließendes Wasser, Fast Food, Sicherheit, Internet, Flugzeuge usw. – sind innerhalb weniger Wochen Vergangenheit. Jeder ist auf sich gestellt, jeder hat Freunde und Familienangehörige verloren und kämpft um das reine Überleben. Das kann man sich kaum vorstellen.

Ein paar wenige Überlebende geben im Verlauf der Handlung nach und nach indirekt ihre persönliche Geschichte preis und wie sie die Jahre nach dem Zusammenbruch der Gesellschaft, wie wir sie kennen, erlebt haben. Die meiste Zeit spielt sich das Geschehen viele Jahre nach der Katastrophe ab und berichtet davon, wie sich die Menschen ein neues Leben ohne die Vorzüge von Technologie, Medizin usw. aufbauen, wie sie kämpfen, hoffen und ihrer Sehnsucht nach der alten Zeit nachhängen, während der Ausnahmezustand langsam zur Normalität wird.

Als ich die ersten Seiten gelesen habe, war mir irgendwie sofort bewusst, dass etwas anders ist. Das Buch beginnt zwar mit einem typischen Endzeit-Szenario, aber der Schreibstil ist von Anfang an auffällig ruhig, obwohl sich die Ereignisse überschlagen. Auf jeden Fall merkt man direkt, dass es definitv kein locker dahin plätschernder Roman  ist, sondern viele literarisch anspruchsvolle Bestandteile hat, mit denen ich mich aber hier nicht im einzelnen befassen werde. Was ich jedoch erwähnen möchte ist die intensiv verwendete Montagetechnik (es wird abwechselnd aus verschiedenen Blickwinkeln und sogar Zeiten berichtet), die große Spannung aufbaut und immer wieder zu interessanten Verknüpfungen führt. Das bedeutet konkret: Figuren sind sich unbewusst schon einmal begegnet, halten sich am gleichen Ort auf, aber nehmen sich gegenseitig nicht wahr, verpassen sich gerade eben usw.. Wer also damals im Deutschunterricht (oder auch in der Freizeit) „Tauben im Gras“ als Paradebeispiel für diese Technik lesen durfte, wird sicher Parallelen entdecken.

Anfangs, muss ich zugeben, nahm die Handlung nicht wirklich Fahrt auf. Ich hab mich ein kleines bisschen gelangweilt, lege aber sehr ungern Bücher weg, also habe ich weiter gelesen. An dem Punkt, wo die Endzeitstimmung richtig konkret wird, war ich aber begeistert und gefesselt, ich konnte kaum aufhören. Manchmal habe ich plötzlich laut auflachen müssen, weil auf einmal alles, was vorher getrennt beschrieben war, zusammenpasste und man dann verstand, warum das alles erzählt wurde (natürlich stark unterstützt durch die oben erwähnte Montagetechnik). An vielen Stellen ahnt man schon, dass es nicht die einzige Begegnung mit einer Figur ist oder die Personen sich schon aus der Vergangenheit kennen, was wirklich viel Spannung erzeugt, weil man darauf wartet, dass sie Situation endlich aufgelöst wird. Ganz besonders toll fand ich ein paar Anspielungen zum Thema Star Trek, gibt natürlich bei mir Extrapunkte.

Insgesamt habe ich dieses Buch ins Herz geschlossen. Die Handlung ist nicht sehr actionreich und mit „klassischer“ Science-Fiction hat es nur teilweise Gemeinsamkeiten. Aber obwohl das Buch anders war, als ich erwartet hatte (wie bereits gesagt… nie das Buch nach dem Cover beurteilen 😉 ), fand ich es großartig. Die Charaktere sind toll beleuchtet und die Stimmung ist förmlich greifbar. Es ist definitiv zu empfehlen, aber vielleicht durch den anspruchsvollen Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig. Ich bin jedenfalls froh, dass ich es nicht weggelegt habe, was ich auch grundsätzlich fast nie tun würde (es gibt bis jetzt nur ein einziges Buch, das ich weglegen musste, vielleicht verrate ich es euch mal).

Ich hoffe, ich konnte euch für den Titel begeistern.

Bis bald

Eure Annika

P.S. : Ich habe das Buch auch schon wieder zurückgegeben, ist also evtl. ausleihbar. Ihr könnt es bei uns im OPAC mithilfe des Titels finden 😉

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