Tea Time, Tränen und Toilettenchaos – Unser Wochenende in Manchester – Part 1

Unsere aufregende Manchester-Geschichte begann damit, dass Jule eines Tages, nichts Böses ahnend, Chiaras WhatsApp Status öffnete und einen tragischen Post zu sehen bekam. Es handelte sich nämlich um die Bekanntmachung, dass sich Milestones – eine ihrer Lieblingsbands – auflösen, und nur noch zwei Abschiedskonzerte in England geben würde. Ihre Bestürzung darüber musste sie natürlich sofort kundtun, damit diese Hiobsbotschaft gemeinsam betrauert werden konnte.

Es war eigentlich von vornherein klar, dass Chiara sich diese Abschiedskonzerte nicht entgehen lassen würde. (Wer sie kennt, weiß, dass sie für Konzerte alle erdenklichen Umstände auf sich nehmen würde.)

Trotzdem fragte Jule sofort nach, ob sie denn vorhatte, dort hin zu fahren und auch – natürlich ohne jeglichen Hintergedanken – wer sie denn begleiten würde. Denn diese Band war eine derer, für die Chiara auch Jule erfolgreich hatte begeistern können.

Vor allem ein Lied hatte es ihr, dank einer unserer legendären Radtouren, besonders angetan. Dass sie dieses Lied natürlich wahnsinnig gern mal live sehen würde, und sich diese letzte Chance nicht entgehen lassen konnte, war ja klar 😀

Gesagt, getan. Chiara war Feuer und Flamme und legte sofort mit der Planung los. So erreichten Jule noch am selben Abend ellenlange Videos, in denen Chiara ausführlich alle möglichen Verbindungen und Hotels beschrieb, die in Frage kamen.

Leider konnten wir das erste Konzert in London direkt streichen, da Jule an dem Freitag noch Berufsschule hatte. Also blieb uns nur der Samstagabend in – Überraschung! – Manchester! (Im Nachhinein war das natürlich gar nicht schade, denn Manchester ist wunderschön 😉 )

Grund genug für uns, diesen Blogbeitrag darüber zu schreiben – wir wurden also weder bezahlt noch beauftragt.

Die Konzerttickets kaufte Chiara zur Sicherheit direkt am Tag des Vorverkaufsstarts und opferte dafür sogar ihre Pause in der Berufsschule. Als das Konzert dann also feststand, konnten wir uns um den Rest der Reiseplanung kümmern.

Die Flüge und der Transfer von und zum Flughafen waren schnell gebucht, aber um uns für ein Hotel zu entscheiden brauchten wir ein bisschen länger. Kein Wunder, es gab da ja auch sehr viel zu beachten.

Unsere Kriterien waren: kurzer Weg zum Konzert, nicht zu teuer, WLAN und ein Fenster auf dem Zimmer (was erschreckenderweise bei mehr als einem Hotel zum Ausschlusskriterium wurde). Die meisten Hotels aber boten uns die Erfüllung dieser Kriterien und mehr, was die Entscheidung nicht unbedingt einfacher machte. Schließlich entschieden wir uns für ein eher kleines, aber originelles Hotel, mit Zimmern direkt über einem Pub. So ein bisschen britisches Nachtleben gehört ja zur Erfahrung dazu 😀

Und dann hieß es natürlich warten. Warten darauf, dass die Zeit schneller verging.

Endlich war es dann da – das Manchester-Wochenende, auf das wir so lange hin gefiebert hatten! 🙂

Netterweise hatte Jules Vater angeboten, uns zum Flughafen zu fahren, während Chiaras Eltern uns der Fairness halber abholen würden 😉 Wir mussten zwar natürlich trotzdem früh aufstehen, aber uns immerhin nicht noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln rumschlagen.

Nach dem anderthalbstündigen Flug waren wir dann endlich da! Wir hatten den Bus ins Stadtzentrum so gebucht, dass wir noch genug Zeit hatten, uns am Flughafen etwas umzusehen und zurechtzufinden. Erstmal suchten wir die Busstation, damit wir wussten, wie lange wir dahin brauchen, also auch wie viel Zeit wir zum Stöbern in den Shops hatten. Wir sind da sehr praktisch veranlagt 😀 Wobei man sagen muss, dass das Shop-Angebot gar nicht so der Wahnsinn war, zumindest was die Ankünfte anging. Wahrscheinlich, weil sich nur die Wenigsten dann noch länger als nötig am Flughafen aufhalten. Aber eine Drogerie und einen Supermarkt gab es, wo wir immerhin schon mal die Auswahl an britischen Süßigkeiten bestaunen konnten.

Letztlich hatten wir doch noch so viel Wartezeit, dass wir das WLAN nutzten und auf dem Handy ein bisschen Netflix guckten. Auch nicht das schlimmste, was passieren kann 😉

Schließlich kamen wir aber dann im Zentrum von Manchester an, und Chiara konnte ihre tolle Offline-Karte nutzen, auf die sie ziemlich stolz war, und auf der sie schon die wichtigsten Punkte (Hotel, Konzert, Sehenswürdigkeiten, Restaurants) eingetragen hatte. Tatsächlich wären wir ohne diese Karte ziemlich verloren gewesen, denn Chiara hat den Orientierungssinn eines Toastbrots.

Erstmal wollten wir uns den Club ansehen, wo abends das Konzert stattfinden würde, damit wir wussten wo wir später hinmussten und um zu sehen, ob vielleicht schon andere Fans davor warteten. Das klingt vielleicht komisch, aber bei vielen Konzerten, bei denen Chiara sonst ist, fangen die Leute schon sehr früh an, sich anzustellen 😀 In Manchester wohl nicht, es war nämlich noch niemand da.

Da wir das Zimmer erst ab der Mittagszeit beziehen konnten, beschlossen wir, uns erstmal was von der Stadt anzusehen. Ganz in der Nähe war laut Chiaras Karte sowohl die Zentrale der Stadtbibliothek, als auch eine weitere Bibliothek, die John Rylands Library, die zumindest im Internet so schön aussah, dass sie einen Besuch auf jeden Fall wert war.

Die Manchester Central Library ist ein wirklich beeindruckendes Gebäude, das der große Platz, an deren Ende es steht, besonders gut zur Geltung bringt. Das helle Äußere, die Kuppel und die Säulen lassen es fast wie eine antike Arena aussehen.

Im Eingangsbereich war eine Art Souvenirshop, wo wir natürlich sofort zuschlugen. Wir kauften uns jeder einen schönen Jutebeutel und ein paar Postkarten.

Hinter dem Shop öffnete sich ein riesiger Raum, der fast die gesamte Fläche des Gebäudes einnahm. In diesem Bereich, so erschien es uns, war wohl eher das Archiv. Es gab mehrere Glastische mit verschiedensten Urkunden, alten Plänen und anderen Dokumenten, und bei einem sogar eine Miniaturausgabe von ganz Manchester. Im äußeren Kreis, der etwa höher gelegt war, standen Lärmschutzkabinen mit diverser Technik darin, damit Besucher die Möglichkeit hatten, sich zum Beispiel alte Filme anzusehen oder Tonaufnahmen zu hören. Alles sah ziemlich modern aus.

Im Untergeschoss befand sich dann der übliche Medienbestand: Romane, Sachliteratur, DVDs, sowie eine Kinderecke. Und um ehrlich zu sein waren wir ein bisschen enttäuscht. Zum einen war der Bestand eher klein, vor allem für die Zentralbibliothek einer Großstadt, und zum anderen war die Aufstellung – zumindest unserer Meinung nach – nicht besonders übersichtlich. Zum Beispiel waren die Jugendromane weder nach Genre sortiert, noch alphabetisch nach Autor. Wenn man also ein bestimmtes Buch sucht, braucht man vermutlich eine Weile bis man es findet. Auch was die Auswahl an DVDs anging, waren wir ziemlich überrascht. Von der Menge her war der Bestand vergleichbar mit einem unserer DVD-Wagen. Aber eben auch nur einem!

Was dafür in Manchester aber offenbar einen sehr hohen Stellenwert hat, ist die Musik. Im obersten Stockwerk fanden wir die Henry Watson Music Library, die das runde Studienzimmer in der Mitte des Gebäudes gleich unter der Kuppel umrahmte.

Es gab eine schier endlose Menge an vor allem Notenheften, aber auch Biographien von Musikern beziehungsweise Bands (komplett genreunabhängig), Medien zur Musiktheorie und mehrere Regale voll mit CDs und Musik-DVDs. Zwischen den Regalen standen an mehreren Stellen Klaviere, die Nutzer vorher buchen und dann bespielen können. Vor dem Ausgang gab es dann noch einen Einblick in Manchesters Musikgeschichte. Mehrere Wände waren mit Bildern von Bands aus Manchester bedeckt, zum Beispiel The Smiths, Oasis, The Stone Roses und The 1975. Nachdem Chiara traurig feststellen musste, dass Milestones nicht dabei waren (wahrscheinlich waren sie einfach zu unbekannt), begaben wir uns zum Ausgang. Unser Ziel: Die John Rylands Library.

Von außen sieht die Bibliothek aus wie eine gruselige Kirche.

Was Sinn macht, denn der Architekt wurde angewiesen, das Gebäude, das ursprünglich nur für eine theologische Sammlung bestimmt war, viktorianisch gotisch zu entwerfen und den Baustil an den einer Kirche anzulehnen. Später wurde der gläserne Eingangsbereich angefügt, der jetzt die Information und den Souvenirshop beherbergt. Dort fanden wir viele schöne Sachen, kauften aber diesmal nicht direkt etwas.

Stattdessen besichtigten wir erstmal den Lesesaal, die touristische Hauptattraktion des Gebäudes. Tatsächlich sahen wir dort mehr Selfie-Sticks als Bücher. Leider hatten wir keinerlei solcher Gerätschaften dabei, weshalb unsere Selfies (vorsichtig gesagt) weniger schön wurden.

Wenn ihr wissen wollt wie es weiterging, und ob Chiara beim Konzert sehr emotional war… nächste Woche geht es mit unseren Abenteuern weiter! 😉

Bis bald,
Jule und Chiara

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